Meine fünf Minuten

Stellungnahme

passiflora
 
Man kann nicht sagen, dass ich gebannt die Entwicklungen in dem Land in dem ich lebe mitverfolge. Ich schaue bewusst kein Fernsehen mehr und lese nur sporadisch Zeitung. Warum? Weil ich mir ein eigenes Bild machen möchte.

Dieses Land gehört nicht mir. Ich wurde zufällig hier geboren, habe aber keinen Anspruch darauf, es nur mit bestimmten Menschen zu teilen.
Die Menschen, die in dieses Land strömen nehmen schlussendlich keinen Einfluss darauf, was bei mir als gewöhnlichen Steuerzahler ankommt. Ich las in diesen Tagen einen Satz, der es gut auf den Punkt bringt: Du als Mensch bist dem Staat egal. Das habe ich besonders in den harten Zeiten gemerkt, auch in Zeiten, als es noch keine Bankenkrisen gab. Ergo: Niemand nimmt mir etwas weg, schon gar kein Flüchtling.
Ich möchte nicht in einer Massenunterkunft hausen müssen, ich möchte auch nicht auf der Flucht sein. Ich bin froh und dankbar, dass ich und all meine Lieben bislang immer in Frieden leben durften. Jetzt allerdings wabern in unserem Land Tendenzen, die an eine sehr unschöne Zeit früher erinnern lassen.

Ich stelle mich auf die Seite derer, die alles verloren haben, die sich in Angst und Panik auf eine waghalsige Flucht begeben haben, auch weil in ihrem Land mit Waffen gekämpft wird, die in Deutschland hergestellt werden. Und ich schäme mich für die Mitmenschen, die aus einfach gestricktem Sozialneid heraus vergessen haben, dass vielleicht auch in ihrem näheren Umfeld schon Menschen auf der Flucht waren.

Wir sind alle Menschen.
Das will ich niemals vergessen.
 

Jeder kann helfen / everyone can help

Ich fand zufällig in den Weiten des Internets eine Crowfunding-Kampagne, die sich der Rettung Griechenlands auf Basis privater Spenden der EU-Bürger widmet. Spenden alle von uns nur 3 Euro, könnte Griechenland eine Kreditrate von 1,6 Milliarden Euro mit Hilfe von uns Menschen zurückzahlen.

Ich bin dabei.
Ich habe gespendet.
Wer macht mit?
 
~~~~~~~~~
 
I found by chance in the vastness of the internet a crowfunding campaign that is dedicated to the rescue of Greece on the basis of private donations of EU citizens. Donate all of us just 3 Euro, Greece could repay a loan rate of 1.6 billion euros with the help of us fellow human beings.

Count me in.
I have donated.
Who is participating?
 

Das Leben ist gut und licht

gut & licht
 

Das Leben ist gut und licht.
Das Leben hat goldene Gassen.
Fester wollen wirs fassen,
wir fürchten das Leben nicht.

Wir heben Stille und Sturm,
die bauen und bilden uns beide:
Dich – kleidet die Stille wie Seide,
mich – machen die Stürme zum Turm…

~ Rainer Maria Rilke

 

 

Vorfrühling im Advent

Hier ist sowas wie Vorfrühling ausgebrochen. Ein ziemlich nasser und mitunter ziemlich windiger Vorfrühling. So habe ich am Morgen noch einen Jacken- und Schuhtausch vollzogen und bin etwas leichter bekleidet losgeradelt.

Die 19. Nuss

Ich habe es doch geahnt, im Büro erwartete mich ein großer Stapel Rechnungen. Klimperdiklimper, ich habe bis zum Feierabend alle in die Software gehämmert und bin dann während einer geschmeidigen Regenpause nach Hause geradelt. Und jetzt: Uuuurlaub! Unterbrochen nur von einem Montag, an dem ich mal ein paar Stündchen die Stellung halte. Das wird ein easy Tag werden, ich habe mich schon ein paar anderen Stellungshaltern zum gemeinsamen Frühstück verabredet.

Was ist das?!

Haben Sie eine Idee, was das sein könnte? Ein Walfisch, ja, gut erkannt. Ein Walfisch aus Holz. Uuuund …

Flaschenöffner

… ein Flaschenöffner. Ein Ergebnis der ersten beruflichen Orientierungswoche des Nachwuchses im Hause. Einen Teil verbrachte er im Bereich Verwaltung, den zweiten Teil im Bereich Holz. Beides hat ihm viel Freude gemacht. Noch strebt er eine Ausbildung im Holzhandwerk an, ich warte einfach ab, ob das in zwei Jahren auch noch der Fall ist. Seine erstes « Werkstück » hat er jedenfalls prima hingekriegt, ein Handschmeichler.

Ich bin sehr froh, dass ich diese Woche hinter mich gebracht habe, sie war eine harte Nuss. Ich bevorzuge die Adventsnüsse, leider nimmt deren Zahl täglich ab. Aber es gab auch, wie bereits berichtet, etliche Lichtblicke. In dieser Woche habe ich gleich zwei Mal gehört, wie gut ich abgenommen habe. Yeah, das pusht unsagbar, denn im Januar geht es weiter. Die letzte Etappe ruft, nicht mehr viel, dann bin ich an meinem Wohlfühlziel. Ich genieße jetzt aber erst einmal ein bisschen all den weihnachtlichen Mampfkram (und nehme trotzdem nicht mehr zu, La Ola!). Gleich zu Beginn der Woche bekam ich das Ergebnis für etwas, was ich in diesem Jahr zum ersten Mal in meinem Leben tat. Dieses Ergebnis hat mich selbst so sehr angerührt, dass ich es nicht ohne Pipi in den Augen auf mich wirken lassen konnte. Und da dieses Ergebnis einer breiten Masse an Menschen zugänglich ist, bekam ich völlig unerwartet ein besonderes Feedback einer mir zuvor gänzlich unbekannten Person. Mir sind beinahe die Augen aus dem Kopf gekullert, sowas hatte ich überhaupt nicht auf dem Plan.

Da kannst du müde und abgekämpft taumelnd durch die Tage streifen, die vielen lieben Menschen in meinem Sein lassen mich fliegen. Alter Falter. Ich bin gerade stolz, wie ich in diesem Jahr gewachsen bin, was ich alles erreicht habe und was ich alles hinter mir gelassen und für alle Zeit abgelegt habe. Fazit: Ich bin gut.

 

Dich wundert nicht des Sturmes Wucht, –
du hast ihn wachsen sehn; –
die Bäume flüchten. Ihre Flucht
schafft reitende Alleen.
Da weißt du, der, vor dem sie fliehn,
ist der, zu dem du gehst,
und deine Sinne singen ihn,
wenn du am Fenster stehst.

~ Rainer Maria Rilke

 

 

Alles geben auf den letzten Metern

Jetzt, wo ich die letzten Arbeitsstunden des Jahres beinahe an zwei Händen abzählen kann, wird es anstrengend. Während ich mental erstaunlich frisch und unbeschwert unterwegs bin, fühle ich mich körperlich wie eine Kartätsche. Ich habe Sehnsucht nach ganz viel Schluffidasein und träume davon, die Zeit zwischen den Jahren komplett im Schlafanzug zu verbringen. Ein Ding der Unmöglichkeit, einen Tag muss ich auch arbeiten. Aber davor und danach könnte ich schwach werden.

Die 18. Nuss

Die Adventsnuss am Morgen legt mir wieder mein Lieblingsthema ans Herz. Und dann habe ich mich auf den Weg gemacht, ins Handkusshaus, bepackt mit einigen Zutaten für das obligatorische letzte gemeinsame Frühstück im Jahr. Schön war das, gemütlich und relativ ruhig. Der Trubel ging erst danach los. So viele Menschen, Gesichter, Gespräche und Informationen, mir ist jetzt noch vollkommen trullerig im Kopf.

Mittendrin schmuggelte sich hastig eine der liebsten Bewohnerinnen im Handkusshaus in mein Büro. Die kleine, zarte Frau K., gezeichnet durch eine Krebserkrankung, ich glaube, sie ist nur halb so groß wie ich. Aber so ein Zuckerstück. Nicht jeder findet Zugang zu ihr, sie zeigt unverhohlen die kalte Schulter, wenn sie jemanden nicht leiden kann. Wir mögen uns vom ersten Tag an. Ich besuche sie, so oft ich die Möglichkeit dazu habe. Die kleine Frau hat keine Kinder, nur noch einen Bruder, der etwas weiter weg lebt. Jedenfalls überbrachte sie mir heute ein Geschenk mit den Worten: « Es geht nicht um die Blumen, es geht um die Vase (Lausitzer Glas, Made in GDR und ganz neu, also so neu wie etwas 25 Jahre nach Tag X eben sein kann) und Ihre Nerven! Vielen Dank für Ihre Hilfe. » Ich musste kurz in mich hineinkichern, dann habe ich sie gefragt, ob ich sie umärmeln darf und wir haben uns ganz lange gedrückt.

Geschenk

Als ich das Handkusshaus in der Dunkelheit wieder verließ, spürte ich, wie abgeschlagen und müde mein Körper nur noch funktioniert. Ein halber Tag noch mit vermutlich irre vielen Rechnungen, dann hüpfe ich in den Schlafanzug und tanke auf, was in diesem Knallerjahr abgezapft wurde. Ich freue mich so sehr auf die freien Tage.

 

Denn die Liebe wird dir nicht als Geschenk gegeben von dem Gesicht, das dir begegnet, und ebenso entsteht deine Heiterkeit nicht durch die Landschaft, sondern durch den Aufstieg, den du überwunden hast. Durch den Berg, den du bezwungen hast. Durch dein Fußfassen im Himmel.

~ Antoine de Saint-Exupéry

 

 

Klippenspringer

Klippenspringer
 

Und sehr viele bleiben für immer an dieser Klippe hängen und kleben ihr Leben lang schmerzlich am unwiederbringlich Vergangenen, am Traum vom verlorenen Paradies, der der schlimmste und mörderischste aller Träume ist.

~ Hermann Hesse