Beobachtungen

« Ich bin müde, Boss. Müde immer unterwegs zu sein, einsam und verlassen. Müde niemals einen Freund zu haben, der mir sagt, wohin wir gehen, woher wir kommen und warum. Am meisten müde bin ich, Menschen zu sehen, die hässlich zueinander sind. Der Schmerz auf der Welt und das viele Leid, das macht mich sehr müde. Es gibt zuviel davon. Es ist als wären in meinem Kopf lauter Glasscherben. » (The Green Mile)

Ich las vor ein paar Tagen schon dieses Zitat, vor ein paar Monaten auch und irgendwann im letzten oder vorletzten Jahr schon. Das bin doch ich.

Ich sehe, wie in meiner Umgebung der Hass auf alles Neue und Unbekannte in Größenordnungen zunimmt, die ich unerträglich finde. Das neue Burger-Lokal der Stadt wird naturellement! von « Türken oder sowas » betrieben. Als ich einwerfe, dass es sich um zwei junge Deutsche handelt – Stille. Heute erst echauffierte sich ein Passant über ein Pärchen, das ich im Vorbeigehen gar nicht richtig wahrnahm. Der Mann stieg extra von seinem Fahrrad ab, schaute mich an und befand mit einem Kopfnicken über seine rechte Schulter, dass « die Deutschen keine Kinder mehr machen bräuchten, dass tun DIE DA ja schon zuhauf. » Gemeint waren zwei junge Leute, ob aus Afghanistan, Syrien oder dem Irak, ich vermag es nicht zu beurteilen.

Der Deutsche ist der Herrenmensch und alle drumherum sind … ja was eigentlich? Weniger Wert? Guten Morgen in den 1930er Jahren. Der Deutsche hat permanent Angst, « DIE DA » kommen und nehmen ihm allerlei weg. Vermutlich wabern durch seinen Kopf finsterste Szenarien von marodierenden Flüchtlingshorden, die durch liebevoll bestiefmutterte Vorgärten walzen und den Eigenheimbesitzern ihre Flachbildfernseher direkt aus der Wandhalterung hebeln.

Glaubt irgendwer, dass es uns besser/anders ginge, gäbe es die Flüchtlinge nicht? Glaubt irgendwer, dass wir hier im Lilalaune-Land weiterhin alles drumherum nach Lust und Laune ausbeuten und die dicke Wohlstandsplautze füllen können, ohne dass in dem geschundenen Drumherum jemand aufsteht und auch etwas von dem Kuchen abhaben will?

Wir sind alle gleich. Menschen, die sich nach Frieden, Sicherheit und Ruhe sehnen. Ich sehe keine Unterschiede zwischen uns Deutschen oder den Menschen aus dem Nahen Osten.

Ich habe vor zwei Wochen einem syrischen Ladenbesitzer, der in meiner Geburtsstadt einen Lebensmittelladen betreibt und dem kurz zuvor von einem besorgten Bürger mit einem Stein die Schaufensterscheibe eingeschlagen wurde, etwas Geld gespendet. Es möge ihm Kraft, Hoffnung und Mut geben, auch wenn ihm der Wind eiskalt entgegenweht.

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10 commentaires

  1. Vielen Dank, liebe Aurelie, für dieses offene und deutliche Statement!

    Es kann nicht sein, dass 1 bis 2 Prozent Flüchtlinge ein großes Problem sein sollen. Es kann nicht sein, dass in Deutschland schon wieder damit begonnen wird, alles Fremde zu hassen! Wo ich bislang Probleme entdeckt habe, das ist die Unfähigkeit der Politiker, effektive und ehrliche Entscheidungen zu treffen, und die Unfähigkeiten von Verwaltungen, sinnvolle Vorkehrungen zu treffen und den Amtsschimmel mal zu vergessen. Was mich sehr sehr ärgerlich macht, das sind die blinden Hassmenschen, die nichts, aber auch garnichts zu begreifen scheinen …

    Dir alles Gute und lieben Gruß, M.!

  2. RESPEKT für deine Beitrag.❤
    Die Menschheit richtet sich langsam aber sicher selbst zu Grunde, wie alle überpopulierten Tierarten, die keine natürlichen Feinde mehr haben.

  3. Buena cita de « La milla verde », por otro lado convertida en una excelente película. Mejor aún, reflexión sobre la « diferencia » que la sociedad hace entre nuestros semejantes.Es terrible ver que personas que supuestamente son profundamente religiosas, no aceptan la igualdad entre los hombres y si no se llega pronto a tal aceptación, la humanidad probablemente no sobrevivira civilizadamente.

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