Alles geben auf den letzten Metern

Jetzt, wo ich die letzten Arbeitsstunden des Jahres beinahe an zwei Händen abzählen kann, wird es anstrengend. Während ich mental erstaunlich frisch und unbeschwert unterwegs bin, fühle ich mich körperlich wie eine Kartätsche. Ich habe Sehnsucht nach ganz viel Schluffidasein und träume davon, die Zeit zwischen den Jahren komplett im Schlafanzug zu verbringen. Ein Ding der Unmöglichkeit, einen Tag muss ich auch arbeiten. Aber davor und danach könnte ich schwach werden.

Die 18. Nuss

Die Adventsnuss am Morgen legt mir wieder mein Lieblingsthema ans Herz. Und dann habe ich mich auf den Weg gemacht, ins Handkusshaus, bepackt mit einigen Zutaten für das obligatorische letzte gemeinsame Frühstück im Jahr. Schön war das, gemütlich und relativ ruhig. Der Trubel ging erst danach los. So viele Menschen, Gesichter, Gespräche und Informationen, mir ist jetzt noch vollkommen trullerig im Kopf.

Mittendrin schmuggelte sich hastig eine der liebsten Bewohnerinnen im Handkusshaus in mein Büro. Die kleine, zarte Frau K., gezeichnet durch eine Krebserkrankung, ich glaube, sie ist nur halb so groß wie ich. Aber so ein Zuckerstück. Nicht jeder findet Zugang zu ihr, sie zeigt unverhohlen die kalte Schulter, wenn sie jemanden nicht leiden kann. Wir mögen uns vom ersten Tag an. Ich besuche sie, so oft ich die Möglichkeit dazu habe. Die kleine Frau hat keine Kinder, nur noch einen Bruder, der etwas weiter weg lebt. Jedenfalls überbrachte sie mir heute ein Geschenk mit den Worten: « Es geht nicht um die Blumen, es geht um die Vase (Lausitzer Glas, Made in GDR und ganz neu, also so neu wie etwas 25 Jahre nach Tag X eben sein kann) und Ihre Nerven! Vielen Dank für Ihre Hilfe. » Ich musste kurz in mich hineinkichern, dann habe ich sie gefragt, ob ich sie umärmeln darf und wir haben uns ganz lange gedrückt.

Geschenk

Als ich das Handkusshaus in der Dunkelheit wieder verließ, spürte ich, wie abgeschlagen und müde mein Körper nur noch funktioniert. Ein halber Tag noch mit vermutlich irre vielen Rechnungen, dann hüpfe ich in den Schlafanzug und tanke auf, was in diesem Knallerjahr abgezapft wurde. Ich freue mich so sehr auf die freien Tage.

 

Denn die Liebe wird dir nicht als Geschenk gegeben von dem Gesicht, das dir begegnet, und ebenso entsteht deine Heiterkeit nicht durch die Landschaft, sondern durch den Aufstieg, den du überwunden hast. Durch den Berg, den du bezwungen hast. Durch dein Fußfassen im Himmel.

~ Antoine de Saint-Exupéry

 

 

2 commentaires

  1. Was für ein Geschenk, ganz besonders diese Worte, von einem Menschen, der so ist. Der sieht. Und wie fein, die Worte dazu von A. de Saint-Exupéry.
    Einen guten Endspurt und liebe Grüsse von Nina

    1. Lieben Dank, Nina. Und ja, das hat mein Herz sehr berührt, auf diese Vase, manche mögen sie vielleicht kitschig finden, werde ich jetzt aufpassen wie ein Schießhund. Bloß gut, dass ich im Büro des Handkusshauses ein wirklich breites Fensterbrett habe.
      Der Endspurt ist gelungen. Jetzt: durchatmen!
      Du hoffentlich auch, sei lieb gegrüßt.

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