Proportional betrachtet

Während ich in meiner Kindheit und die meiste Zeit meines Lebens immer schlank war, bin ich nach der Geburt meines Kind schier explodiert. Nahmen andere Mütter in der Stillzeit ab, nahm ich zu. Ich futterte mir einen geschmeidigen Schutzpanzer an und übertraf mich ziemlich schnell selbst ein ums andere Mal mit diversen persönlichen Gewichtsrekorden. Solange, bis ich in der Zeltabteilung der Klamottengeschäfte angekommen war.

Nun weiß ich durchaus um die Selbstberuhigungsmantras der Übergewichtigen, die nicht müde werden sich und anderen einzureden, sie fühlen sich wohl, sind körperlich topfit und überhaupt, all die Schlanken genießen ihr Leben gar nicht, weil sie ausschließlich mit Sport, gesunder Ernährung bzw. Hungern beschäftigt sind. Vorurteile von Menschen, die oft selbst massiv mit Vorurteilen zu kämpfen haben, aber das nur nebenbei.

Ich habe mich mit den aus heutiger Sicht reichlich 35 Kilogramm mehr an Körpergewicht zu keinem Zeitpunkt wohlgefühlt. Von körperlicher Fitness war ich meilenweit entfernt, obwohl ich mich damals beinahe genauso viel bewegt habe wie heute auch. Ich war kurzatmig, kam bereits nach kurzer Anstrengung aus der Puste, ich war auch nicht beweglich, logischerweise. Ich fühlte mich weder schön, noch fand ich Kleidung, in der ich mich auch nur annähernd wohlfühlte und zu meiner Persönlichkeit passend gekleidet empfand, obwohl die Bekleidungsindustrie damals schon viel mehr für übergewichtige Menschen produzierte als noch ein paar Jahre zuvor. Kleidung, die eng am Körper anlag, unvorstellbar für mich.

Ich fühlte mich damals nicht wie eine Frau und begehrenswert, ich fühlte mich wie ein « Es », auch wenn das vielleicht komisch klingen mag. Zur Weiblichkeit, deren Ausleben und dem Spielen damit fand ich zurück, als ich über Jahre hinweg Stück für Stück abnahm. Mit dem gemächlichen Gewichtsverlust kam das Selbstbewusstsein und vor allem sehr viel mehr Wohlbefinden zurück. Ein dicker Bauch, der über die Hose quillt fühlt sich furchtbar an und mir braucht an dieser Stelle niemand sagen, dass dem nicht so wäre.

Übergewicht zieht nicht immer Folgeerkrankungen nach sich, aber damit sollte man rechnen, wenn man seinen Körper mit diversen Kilos zuviel durch den Alltag schickt. Diabetes und Bluthochdruck mögen oft im Alter von 20 oder 30 Jahren noch kein Thema sein, hält sich das Übergewicht über Jahrzehnte, stellen sich solche gar nicht harmlosen Zipperleinchens bei so ziemlich jedem Menschen irgendwann ein, gefolgt von Problemen mit Knien und Hüften, weil der menschliche Körperbau eben mit diesem Mehr an Gewicht schlichtweg überfordert ist.

Nein, ich habe weder einen starken Knochenbau noch liegt das Übergewicht in meinen Genen (auch das Argumente…). Ich habe einfach zu viel und zu falsch gegessen, selbst als ich mich schon längst nur mehr vegetarisch ernährte. Früher empfand ich die Auseinandersetzung mit dem, was ich esse, enorm anstrengend. Ich wollte essen, nach was mir gerade der Sinn stand und mir war egal, ob das gesund oder ungesund ist. Zeiten ändern sich, Prioritäten auch. Ich habe meine Einstellung zur Ernährung verändert, weil man darum nicht mehr herum kommt, wenn man in vielerlei Hinsicht über den Tellerrand schaut.

Gesunde Ernährung ist nicht langweilig oder besteht nur aus drei Salatblättchen am Tag. Ich nahm noch nie auch nur ein Kilogramm mit irgendeiner Diät ab. Ich nahm ab, weil ich meine Ernährung Stück für Stück umstellte. Ich achte auf die Salz- und Zuckerzufuhr, esse nur drei Mahlzeiten am Tag (außer im Advent, haha!) und trinke jeden Tag zwei Liter, in der warmen Jahreszeit Wasser, im Winter Tee und zwar ohne Zucker oder Süßstoffe. Letztere verursachen nämlich Heißhungerattacken, sind also schlichtweg kontraproduktiv. Viel getan hat sich auf meiner Waage auch, nachdem ich Kuhmilch aus meinem Kühlschrank gänzlich verbannt hatte. Und so ganz nebenbei auch bei meinen Blutfettwerten.

Kleiner Zwischenruf P.S.: Das Aussehen mal außen vor gelassen sollte sich ein jeder fragen « Was braucht mein Körper wirklich? » Mein Körper brauchte in der Schutzpanzer-Phase vermutlich sehr viel von dem, was dick macht. Nachdem ich immer mehr zu mir selbst hingewandert bin, brauche ich nicht mehr wirklich viel. Und bin satt. Übrigens, ich war seit vier Jahren nicht mehr krank, habe in meiner Firma noch keinen einzigen Krankentag vorzuweisen. Ungesund kann Gewichtsreduktion also schonmal nicht sein.

Wer an dieser Stelle der Vorstellung erliegt, ich darbe mich durch den Advent, irrt gewaltig. Ich nasche allerlei Süßkram, Stollen, Plätzchen und Lebkuchen und es fühlt sich zu keinem Zeitpunkt an, als würde ich verzichten oder hungern. Noch nie hat jemand, der mich bereits mit Übergewicht kannte feststellen müssen, dass ich früher besser aussah. Ich gefalle allen um Längen besser, nachdem ich mich von all den Kilos getrennt habe. Das Wichtigste ist aber, dass ich mir jetzt selbst wieder viel besser gefalle, dass ich mich gern im Spiegel betrachte, dass ich nicht mehr 150 Photos von mir selbst mache, bevor mir auch nur eines davon gefällt und dass ich mich verdammt wohlfühle und vor allem, wie eine Frau. Ein paar Kilos sollen noch weichen, das Gros habe ich aber geschafft und das macht mich sehr sehr stolz. Und sexy.

 

Das Universum folgt keinem festen Plan. Sobald Sie eine Entscheidung treffen, arbeitet es damit. Es gibt kein Richtig und kein Falsch, nur eine Vielzahl von Möglichkeiten, die sich mit jedem Gedanken, jedem Gefühl und jeder Tat verändern.

Deepak Chopra

 

 

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