Mitunter freilich kommen Stunden…

Schlafbahnhof
 

Mitunter freilich kommen Stunden:
und was du nie bewusst empfunden,
gleich einem grauen Regen regnet’s dir ins Herz,
und wie ein scheuer Bettler bleibst du stehn,
verstohlen durch die Hecken zu spähn,
hinter denen sie sitzen und plaudern und lachen,
fröhliche Menschen in fröhlichen Kleidern …
plaudern, lachen, singen und küssen
so leichten Bluts,
so frohen Muts:

Als ob es all das Schwere gar nicht gäbe,
an das du so viel Kraft verfehlst!
als ob der Kampf, von dem du sprichst,
und all die Müh und Sorge… nichts!
als ob es eitel Hirngespinste,
worüber du dich härmst und quälst!
und als ob allen, die da sitzen
so kinderfroh
und singen und spielen, tanzen und küssen,
erfüllt schon längst,
was du als letzten Dank dir denkst,
als Endlohn für Jahre voll Kampf und Schmerz…

Und wie ein grauer Regen regnet’s dir ins Herz
und wie ein Bettler drückst du dich von dannen
einsam
deinen einsamen Weg.

Cäsar Flaischlen

 

 

16 commentaires

  1. Wie traurig schön, diese Worte, wie wahr.
    Jene Hirngespinste. Die Diagnosesteller selbiger merken gar nicht,
    wieviel Gespinst sie zusätzlich aufladen…
    Es kommen leichtere Tage. Immer wieder. Es ist so. Es war immer wieder so.
    ~~~ ~~~ ~~~
    Ich kannte dieses Gedicht nicht, auch nicht Cäsar Fleischlen – dachte ich.
    Dabei stammt von ihm « Hab’ Sonne im Herzen, ob’s stürmt oder schneit… »,
    in vielen Poesiealben verewigt.

    Einen herzlichen Gruß,
    Nina

  2. ich dachte, es wäre ein Song. Ich könnte es mir gut vertont vorstellen, z.B. von Ulla Meinicke oder Silly……………………….❤

  3. Cäsar Fleischlen kenne ich schon lange, er ging hier in der Nähe zur Schule und lebte im Alter in einer anderen Stadt hier in der Nähe. Das von Nina angesprochenen andere Gedicht “Hab’ Sonne im Herzen, ob’s stürmt oder schneit…”, war ein Lieblingszitat meiner Mutter. Und vielleicht ist es ja auch richtig beides im Blick zu haben…

    Ich wünsche Dir sehr, dass dieser Tiefpunkt bald wieder überwunden werden kann.
    Lieben Gruß, M.

    1. Wir alle sind nur Menschen, nicht unfehlbar, nicht wie eine Maschine programmierbar und immer mit Sonne im Herzen ausgestattet. Niemand kann in sein Gegenüber hineinschauen, niemand sollte sich herablassen, anderen durch die Blume mitzuteilen « Jetzt stell dich mal nicht so an, sei einfach glücklich », wenn dieser Mensch einfach nur traurig ist. Ich denke, ein jeder wäre gern immer fröhlich, glücklich und lächelnd unterwegs, die Traurigkeit sucht sich niemand freiwillig aus. Manchmal fehlt einfach die Kraft. Und das in dieser Zeit und genau dann wenden sich alle ab …
      Liebe Grüße auch an dich.

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