Wie das Leben so spielt

Ein bisschen hatte ich die Hoffnung, dass für dieses Jahr endlich Ruhe einkehrt, dass jetzt im Advent die Stille einzieht, nach der ich mich schon so lange sehne. Ein bisschen Hoffnung ging gestern gehörig den Bach hinab und das Schicksal hat mir einmal mehr gezeigt, dass ich mich von allen Erwartungen am besten für immer ablöse.

Die eine Hälfte des gestrigen Tages verlief ziemlich normal und eher ruhig. Ich habe gearbeitet, wurde fertig mit allem und habe das Büro pünktlich verlassen. Ich erledigte noch die obligatorischen Grünzeug-Einkäufe für das Wochenende, bekam beim Lieblingsgrünzeughändler eine kleine und liebevolle Überraschung zugesteckt, kam nach Hause, kochte Tee … Dann traf mein Sohn zuhause ein mit einer Person im Schlepptau und ab ging die Post. Damit habe ich so gar nicht gerechnet, ich wurde auf dem völlig falschen Fuß erwischt.

Danach war ich völlig derangiert, weil ich so viel geweint habe und mich nur schwer beruhigen konnte. Und die Zeit rann mir nur so durch die Finger. Ich wollte schon meine Lieblingskollegin anrufen und kurzerhand die am Nachmittag beginnende Weihnachtsfeier absagen. Aber das konnte ich irgendwie auch nicht bringen, schließlich hingen bezahlte Eintrittskarten daran …

Deckenkunst

Also bin ich mitgefahren, trotz hämmernder Kopfschmerzen, trotz ständig aufsteigenden Augenwassers. Ich habe den anderen dabei zugeschaut, wie deren Pegelstand unaufhörlich stieg, ich war froh um viel Dunkelkeit und dankbar, als ich nachts um 2 Uhr wieder in meinem Bett liege durfte.

Advent

Heute wollten wir eigentlich im Verbund auf einen Weihnachtsmarkt fahren. Das hatte sich mit dem gestrigen Feuerwerk erledigt. So sind mein Kind und ich einfach allein gefahren. Wir sind schon groß und mutig und auch taff. Ich wollte meinem Kind einen schönen Tag schenken, denn er hat den gestrigen Showdown miterleben müssen. Und wir hatten einen schönen Tag mit leckeren Dingen, die wir uns auf der Zunge zergehen ließen, mit Licht und Liebe überall und freundlichen Menschen, die es gut mit uns meinten.

24

Jetzt ist es still geworden, langsam gewinne ich ein bisschen Wärme zurück, mein Herz hämmert nicht mehr so wild in der Brust herum und der Kopf hat sich nach über einer Woche auch wieder eingekriegt. Ich bin müde, einfach todmüde. Trotzdem muss ich weiterlaufen, immer weiter, ich bin noch lange nicht am Ziel.

 

Der Mensch hält sein Schicksal für etwas Fremdes, weil ihm das innere Band verborgen ist. Aber die Seele enthält jedes Ereignis, das sie erleben wird, denn das Ereignis ist nur der Gedanke, der sich nach außen projiziert, und das, worum wir zu uns selbst beten, wird uns immer gewährt.

Ralph Waldo Emerson

 

 

6 commentaires

  1. Solche Geschichten sind einfach blöd. Ich wünsche dir Beruhigung. Und dass dein tapferes Herz dir wieder hilft, heiter und gelassen durchs Leben zu stiefeln. Wärst du gerade in Reichweite, würde ich dir das sagen und dich dabei fest drücken. Na ja, so muss eben Sagen genügen…

  2. Solche Erlebnisse sind niederschmetternd. Aber Du hast mit Deinem
    Weihnachtsmarktbesuch schon einen richtigen ersten Schritt getan.
    So wie ich Dich schon seit drei Jahren kenne, schaffst Du auch die nächsten Schritte.
    Lieben Gruß, M.

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