Как я купила российский шоколад (Wie ich russische Schokolade kaufte)

Natürlich hatte ich während meiner Schulzeit russische Brieffreundschaften. Russisch als Sprache lag mir irgendwie, auch wenn ich einen Muttersprachler vermutlich nicht verstanden hätte, die reden bekanntlich so schnell wie eine Stalinorgel herumorgelt. Aber für den brieflichen Austausch waren meine Kenntnisse durchaus bestens geeignet.

Brieffreundschaften mit russischen Kindern waren der Einstieg in eine ferne, bunte Welt, denn die russischen Brieffreunde schrieben nicht einfach nur Briefe, falteten diese in einen Briefumschlag, klebte eine Briefmarke drauf und ab ging die Post. Neiiiiin, das wäre einem russischen Brieffreund viel zu schnöde. Meine Freunde hatten alle traumschöne Handschriften, die ich immer bewundert habe. Mir gelang es nie, die kyrillsche Schrift so verträumt und romantisch aufs Papier zu bringen. Das Beste war aber, dass meine Freunde keine Briefe, sondern halbe Briefpakete schickten. Ich bekam russische Pionier-Halstücher, Postkarten, Photos sowie buntes Bonbon- und Schokoladen-Papier geschickt. Ich liebte diesen kleinen stets bunten Einblick in das russische Leben sehr, so sehr, dass ich bis heute eine Schwäche für dieses Land habe. Natürlich mag ich nicht alles gutheißen, aber die aktuelle Situation, Russland medial zum ersten Schritt in einen Krieg zu provozieren, kotzt mich gelinde gesagt an. Ich bin für Frieden, das habe ich schon einmal hier geschrieben, daran hat sich nach wie vor nichts geändert.

Gestern habe ich jedenfalls Nägel mit Köpfen gemacht und habe den russischen Spezialitätenladen aufgesucht, den es an dieser Stelle schon seit etlichen Jahren gibt. Aber wie das immer so ist, Sie kennen das ja.
Dieser Laden ist … herrlich. Ein bisschen mutet er wie ein Wohnzimmer in den 1930er Jahren an, ich tippe, der nicht minder herrliche Betreiber des Ladens gibt dort den ein oder anderen russischen Abend. Der Mann ist locker sechzig Jahre alt und liebt dieses Land, das habe ich sofort gespürt. Vermutlich hätte ich seinen Ausführungen stundenlang auf einem der antiquierten Stühle lauschen können, die um den großen schweren Tisch herumstanden auf dem sich allerlei russische Schätze nur so türmten. Ich fragte ihn, was er mir empfehlen kann. Der erste Tipp war Wodka. Muah. Ja klar, irgendwie logisch. Ich bin ja nun jetzt nicht so das Wodka-Häschen, also zählte er sämtliche Lebensmittelkategorien auf, die er auf Lager hatte. Und zu allem wusste er etwas zu sagen. Unglaublich. Aber ich liebe solche Menschen, sie leben Leidenschaft, das macht sie mir sympathisch.

Русский шоколад

Entschieden habe ich mich für … Schokolade. Links im Bild das ist kasachische Schokolade, in den Nationalfarben des Landes gehalten und genauso müssen Sie sich Kasachstans künstlich hochgezogene Hauptstadt Astana vorstellen. Ich sah mal eine Reportage im Fernsehen, sehr beeindruckend, sehr pompös, deswegen auch irgendwie befremdlich. Rechts das ist echte russische Schokolade und der Verkäufer findet, sie muss sich hinter Schweizer Schokolade nicht verstecken, ich bin gespannt. Übrigens mag ich es sehr, Lebensmittel aus fremden Ländern zu probieren. Ich habe bei meinen wenigen Auslandsreisen auch immer Supermärkte besucht, da gibt es für mich so viel zu entdecken.

Ich bin froh, dass ich den Laden besucht habe, beinahe hätte ich mir ein Shirt mit Putin-Konterfei und seiner Unterschrift gekauft. Haha. Aber es reicht eigentlich, wenn man für den Wunsch nach Frieden und einer kritischen Betrachtung der allgemeinen Medienberichterstattung schon als « Putin-Versteher » bezeichnet wird. Beim nächsten Mal werde ich trotzdem eine Flasche Wodka kaufen. Ich glaube, manchmal braucht es selbigen und keine Schokolade. Und irgendwann werde ich das Land besuchen. Ich weiß es und freue mich darauf.

 

Man sieht oft etwas hundert Mal, tausend Mal,
ehe man es zum allerersten Mal wirklich sieht.

Christian Morgenstern

 

 

41 commentaires

  1. В России женщины тоже не разбираются в водке.
    Правилами этикета считается, что женский напиток -вино.
    Женщины могут позволить себе немного водки…

  2. С водкой не получилось- почта России не отправляет алкоголь.
    Правильнее будет писать « Как я купила… ».
    P.S. Но все равно ваш русский прекрасен!

      1. Это вы меня простите)))
        « Я изменила это » – в русском языке окончания у мужского и женского рода разные.
        Вам правильно говорить: я купила, я изменила, я извинила, я съела, я выпила… Ставьте у глагола букву а на конце.
        А в остальном практически не отличишь -как будто русский ваш родной язык…

        1. Я перестану тебе говорить « ВЫ » и ты быстрее все это вспомнишь. Я учил английский, и ничего не помню, кроме самых простых слов))
          Когда приедешь в Россию, тебя только может акцент выдаст)))

        2. Расскажу анекдот старый. Штирлиц -это русский разведчик времен второй мировой войн, про него много анекдотов.

          Штирлиц шел по Берлину. Мюллер узнал в нем советского разведчика, но не по русскому автомату, небрежно наброшенному на плечо, и не по парашюту, волочившемуся сзади, а по клейму фабрики « Большевичка », которое забыли отпороть с внутреннего кармана пиджака по истинно русской безалаберности.

        3. Самоирония- это очень хорошее качество. Если человек не умеет посмеяться над самим собой – с таким тяжело общаться…

        4. Во времена, когда он изобилует стереотипами, это занимает много самоиронии.
          Я вегетарианец, « делать-благодетель» и будет постоянно сталкиваться с предрассудками.

      2. Aurélie, я совсем дилетант в немецком….

        Еще одну шутку вспомнил: « По немецки -« цацки-пецки », а по русски- бутерброд! »)))
        У нас очень много в русском языке немецких слов, особенно технических: штангельциркуль, блиц, цейтнот, азимут…))) Извините, если вас обидел.

        1. Их очень много, я все не вспомню сразу… Они уже давно кажутся исконно русскими словами.

        2. галстук, бухгалтер, вафля- не подумал бы сроду, что это нерусские слова)))

        3. Очень в ходу слово « гастарбайтер » -у нас много приезжих строителей из бывших республик СССР.

        4. гастарбайтер- мигрант, который работает без разрешения. А штрейхбрейхер? Нам со школьной скамьи это слово вбили в голову!

        5. да, да сотрудничающие с администрацией, не признающие всеобщей забастовки, не солидарные. Наука марксизма-ленинизма клеймила их позором- в русском языке для них слова не нашлось…

        6. Марксизм-ленинизм был одним из моих любимых тем ранее в школе. Я боюсь, что я никогда не понимал ничего.😀

        7. многие русские тоже не понимали, в институтах и университетах приходилось просто учить наизусть постулаты и даты)))

        8. Я до последнего носил галстук, хотя остальные уже сняли. Нас учили быть хорошими, хотя жизнь уже тогда показывала, что большинство не хотело этого. Поэтому лучше быть в меньшинстве, но на правильном пути.

        9. Даже поселок где я родился, во время войны называли « сортирштрассе » -туалеты были на улице.

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