Und plötzlich ist alles ganz leicht

Ich sah die Welle kommen. Sie kam haushoch und tosend auf mich zu. Normalerweise wäre ich vor Angst einen Schritt zurückgewichen, führt diese Welle doch gern Schmerz und Pein in ihrem Gewoge mit sich. Es käme allerdings einem Verrat an all meinen eigenen ungeschriebenen Grundgesetzen gleich, würde ich mich in Sicherheit bringen. Konfrontation wird vorausgesetzt. Und wenn du wieder fällst. Und wenn du wieder Qualen erfährst. Bleib einfach stehen.

Freiheit

Und dann ist der Moment da, ich öffne die Tür. Ich denke nicht mehr nach, ich atme ganz ruhig, nur mein Herz bubbelt ein bisschen wilder als sonst in seinem Körbchen herum. Das erste Aufeinandertreffen beruhigt mein Seelchen, das vor Neugier aus der Haut fahren möchte, ungemein. Ich schließe meine Augen und lasse mich einfach fallen. Wärme umfängt mich, Vertrauen macht sich breit, ich fühle mich wie auf tausend flauschig weiche Tücher gebettet. Und tauche ab.

Sechzig Stunden später tauche ich wieder auf. Runderneuert. Vollgepackt mit einem Kaleidoskop aus Gefühlen, befreit von dem Ballast etlicher Jahre und Erfahrungen. Und plötzlich ist alles ganz einfach. Seinlassen, gelassen bleiben, mutig und hoffnungsfroh sein. Ich blicke meinem Schicksal in sein schönstes Antlitz und stehe selbst in dem Licht, von dem bislang immer nur wenige andere Menschen umgeben waren.

Ich habe mich in diesen sechzig Stunden einer Metamorphose unterzogen. Nichts ist mehr wie vorher. Meine Sicht auf die Dinge hat sich verändert. Die Ängste sind eingedämmt. Ich bin durchzogen von Liebe. Und obwohl mich noch immer die gleiche Frau morgens im Spiegel anschaut, ich bin nicht mehr die, die ich mal war. Ich sehe mich und ich bin wunderschön. Die Schultern gerade, der Blick aus den braunen Augen gefestigt, die Lippen umspielt ein leichtes Lächeln. Bämm! Jetzt l(i)ebe ich. Endlich.

 

Lieben ist … ein erhabener Anlaß für den einzelnen, zu reifen, in sich etwas zu werden, Welt zu werden für sich um eines anderen willen, es ist ein großer unbescheidener Anspruch an ihn, etwas, was ihn auserwählt und zu Weitem beruft.

Rainer Maria Rilke

 

 

4 commentaires

    1. Dieser Spruch fand quasi am Wegesrand zu mir, ich fischte ihn aus einem roten Samtbeutel, der mir bei einem Straßenfest entgegengehalten wurde. Das war im Sommer. Jetzt habe ich ihn verstanden.
      Danke, lieber M.

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