Morgens im September

Als die Sonne aufging, war der Morgen ganz still und zaghaft. Die Ruhe der Nacht lag auf diesem Morgen, auf dessen Grund zarter Nebel wie ein Schleier ruhte, bevor ihn die erstaunlich kraftvolle Sonne auflösen würde …

Septembermorgen

Morgens im September, wenn ich wie immer viel zu früh die Nachtruhe beende, bleibt mir viel Zeit zum nachdenken und resümieren und obwohl seit ein paar Tagen die Supermärkte an der Naschwaren-Front bereits das Jahresende einläuten, während wir noch dem Sommer nachtrauern, so ein kleines Zwischenfazit zu Zweitausendvierzehn muss einfach sein.

Im Vorjahr dümpelte alles mehr oder weniger in einer Art Dornröschenschlaf dahin. Es gab keine nennenswerten Höhepunkte, alles lief. Irgendwie. Dieses Ruhejahr habe ich vermutlich auch gebraucht, denn mit dem Beginn des neuen Jahres ging hier stante pede die Post ordentlich ab.

Wenn ich dem Jahr ein Thema verpassen könnte, dann wäre dies wohl « Loslassen ». In mancherlei Hinsicht kann ich gut loslassen, während andere Baustellen sich zwar immer wieder in den Fokus rücken, aber die emotionale Verhaftung damit ist so enorm, dass ich mir Zeit und noch mehr Zeit einräumen muss, diese Themen loszulassen. Dazu gehört es auch, alle Sorgen und Nöte anzunehmen, als Schicksal, als Weg, als was auch immer. Nicht zu verwechseln mit ‘gut finden’, nein, ich akzeptiere, dass ich für eine gewisse Zeit das Jobcenter im Nacken sitzen hatte, ich lehne mich nicht dagegen auf, ich wehre mich nicht, sondern akzeptiere, dass diese Erfahrung zu meinem Weg dazugehört. Ganz ehrlich, bislang gab es nicht ein Erlebnis, von dem ich im Nachhinein sagen musste, es hat mir nichts gebracht. Jeder Griff ins Klo, jeder Schmerz, alle Ängste haben mich zu dem werden lassen, was ich jetzt bin. Ich hadere nicht mit meinem Schicksal, ich nehme es an. Amor fati.

Und so lasse ich in diesem Jahr die Themen schlechthin einfach los, als wäre ich über Nacht zum Lolassungsvollprofi gereift. Manchmal staune ich wirklich über mich selbst und bin mir sicher, damit baue ich an einem sicheren Fundament für das, was im nächsten Jahr Thema sein wird. Ich habe vor vier Wochen eine Entscheidung getroffen, eine, die auch sehr viel mit dem Loslassen zu tun hat und bewege mich in kleinen Schritten auf deren Umsetzung hin. Und wie alles so funktioniert, wie gut es sich anfühlt tief in mir drinnen, bin ich auf dem richtigen Weg.

Ich bin sehr dankbar.
Für die Kraft, die in mir wohnt.
Für die Hoffnung, die ich nie so ganz verliere.
Für die Menschen, die mich lieben.
Für mein Schicksal.
 

Das ist nicht Sommer mehr, das ist September … Herbst:
diese großen weichen Wolken am Himmel,
diese feinen weißen Spinnwebschleier in der Ferne
und hinter den Gärten mit den Sonnenblumen
der ringelnde Rauch aufglimmender Krautfeuer …
und diese süße weiche Müdigkeit und diese
frohe ruhige Stille überall und trotzdem wieder
diese frische, satte, erntefreudige, herbe Kraft …
das ist nicht Sommer … das ist Herbst.

Cäsar Otto Hugo Flaischlen

 

 

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