Erwartung & Loslassen

Was erwarten Sie denn von mir? Erwarten Sie generell viel von anderen und sich selbst? Seien Sie ehrlich.

Kein Drama. Nö.

Der Duden sieht folgende Bedeutungen im Thema Erwartung:

  1. Zustand des Wartens, Spannung
  2. vorausschauende Vermutung, Annahme, Hoffnung

Mein großes Thema seit einiger Zeit ist genau dieses. Ein bisschen fühlt es sich an, als würde ich an einer hochkomplexen Dissertation arbeiten. Vierzig Jahre Leben nach Schema F haben sich heftig eingebrannt, antrainiertes Verhalten schlägt an wie ein Pawlowscher Hund und vor ein paar Tagen bin ich gar jämmerlich auf den Arsch gekracht, kein Land mehr sehend und verzweifelt, weil sich all diese Anhaftungen wie stetig enger werdende Stricke um meinen Hals wickeln.

Das geht so nicht, möööp! Okay, ich bin nicht gut im Loslassen, aber in der Vergangenheit ist es mir bei nicht minder bedeutsamen Aufgaben auch gelungen. Und wie? Gute Frage. Ich gebe zu, ich bin oft kein bewusst steuernder Mensch. Es gelingt mir nie, in einer bestimmten Situation den Verstand anzuknipsen und auf Kommando loszulassen. Ich nutze vielmehr meine gedanklichen Zwiegespräche im Vorfeld dazu, mich mental auf eine Situation einzustimmen. Diese Taktik hat den entscheidenden Nachteil, dass mich Überraschungen jedweder Art gelinde gesagt überrollen. Eine weitere Baustelle, die noch ein bisschen warten muss.

Mir ist wichtig, dass ein Jeder so sein darf, wie er sein will. Ich muss/kann/will/darf niemand in seiner Art bewerten und/oder beurteilen, das steht mir einfach nicht zu. Punkt. Im Grunde ist es mit Situationen nicht anders. Nichts im Leben geschieht ohne Grund, niemand läuft uns umsonst über den Weg, jedes Erlebnis ist eine Reflektion unseres Seins. Daraus kann ich mitunter viel lernen, aber auch staunen ob der wohlig warmen Wellen, die mein Wirken zuvor ausgelöst zu haben scheint.

Ich erwarte nichts. Von meinem Leben nicht und den Menschen darin sowieso nicht. Erwartungen schaffen Unfrieden. Ich habe schon sogenannte Freunde verloren, weil ich deren Erwartungen nicht gerecht werden konnte. Und wollte. Erwartungen anderer Menschen an mich sorgen für Unwohlsein. Ich gebe, was ich geben will, was ich zu geben in der Lage bin und nicht, was irgendjemand von mir haben will.

Wie von Herrn Duden bereits festgestellt, wer erwartet, wartet. Ich warte nicht gern, ich lasse lieber los. Erwartungen bauen bei so ziemlich jedem Menschen Druck auf. Druck sorgt für Übersprungshandlungen, die mitunter im sehr falschen Moment enorm massive Lawinen lostreten. Das braucht doch kein Mensch, da sind wir uns sicher einig. An dieser Stelle tritt die Geduld auf den Plan und mein Glaube an das Schicksal. Im richtigen Moment fügt sich alles wie von unsichtbarer Hand gelenkt zusammen und dann staunt Frau Sterntau Bauklötze, was nicht zum ersten Mal passiert.

All das kann man üben, wenn man will. Ich übe tagtäglich von Neuem, auch bei Menschen, die mir nicht sonderlich sympathisch sind. Ich übe Gelassenheit und Offenheit und schaue genau hin, was mein Gegenüber mir mit seiner Art sagen will.
Und plötzlich ist da sehr viel Ruhe in mir, keine Abneigung gegen irgendwen oder irgendwas, keine Ablehnung meines Schicksals. Nur Liebe.

Amor fati.
 

Erwarte nichts. Heute: das ist dein Leben.

Kurt Tucholsky

 

 

Un commentaire

  1. Gut geschrieben, ich teile deine Ansichten und arbeite dran, nicht immer gelingt es, aber immer wieder…. das Üben sollte nie aufhören….! Wenn nur alle so denken würden….
    danke ♥

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