Frieden finden

Ich bin ein Angsthase. Das habe ich in einundvierzig Jahren hervorragend und in Perfektion gelernt. All die Kapitel meines Lebens haben massenhaft Ängste und Misstrauen hinterlassen, sie haben mein Selbstwertgefühl in einen katastophalen Minusbestand gefahren und mir den Glauben an mich selbst genommen.

Mich kann man nicht lieben, ich bin schlecht und verdiene keine Liebe – genau dieses Denken bricht jetzt unter meinen Füßen nur so weg. Irgendwann vor nicht allzu langer Zeit habe ich begriffen (ja, Guten Morgen auch!), dass mich noch nie auch nur ein Mensch wirklich und wahrhaftig geliebt hat. Die Gründe hierfür müssen mir gleichgültig sein, darüber zermartere ich mir nicht den Kopf. Die Beziehungen meines Lebens haben ein gewaltiges Trümmerfeld hinterlassen, das ich jahrelang nur notdürftig abgedeckt hatte. Abdecken ist aber nicht aufarbeiten und bloß, weil man den Schutt nicht sieht, ist er trotzdem nicht verschwunden. Ich habe mir eingeredet, ich wäre durch mit allem, im Reinen mit mir. Dass das nicht der Fall ist, erfahre ich jetzt. Ich stehe mir selbst im Weg, Ängste, Zweifel und altbekannte Dämonen lähmen mich beinahe gänzlich und zwingen mich dazu, in den Spiegel zu schauen.

Herzkranzgefäße

Ich habe gestern so viel geweint, habe meine Seele kotzen lassen, habe in den Spiegel geschaut und die Augen nicht verschlossen. Ich bin kein Feigling, ich kämpfe und auch wenn ich langsam vorwärtskomme, ich werde nicht aufgeben. Natürlich habe ich lange keine Ruhe gefunden, die Nacht war laaang und wach und eine einzige Quälerei, aber mit dem Morgen und dem ein oder anderen Stündchen Schlaf kam der Frieden.

Ich habe heute ein Brot gebacken, ein Sonntagsbrot sozusagen, ich habe die Mahlzeiten auf Balkonien genossen und saß wieder für 25 Kilometer im Fahrradsattel. All das hat sehr gut getan und mich generalüberholt. Ich hatte genau das wohl bitter nötig.

Noch bin ich ein bisschen wacklig, aber in mir wohnt Entschlossenheit, ich werde mich durchsetzen. Etwas anderes lasse ich nicht gelten.

 

Du kannst dich nicht selber finden, indem du in die Vergangenheit gehst.
Du findest dich selber, indem du in die Gegenwart kommst.

Eckhart Tolle

 

 

8 commentaires

  1. Hallo,
    Grüble nicht soviel,das tut nicht gut.
    Es gibt einen Menschen der dich von ganzem Herzen liebt, für den du alles auf der Welt bist…dein Sohn.
    Liebe Grüße, die Annie

  2. Der junge Mann ist auf einem guten Weg, soweit ich dies aus der Ferne anhand der Fotos die ich von ihm kenne, beurteilen kann.
    Da lag Dein Focus die letzten Jahre und alles andere war zweitrangig……das ändert sich nun. Alles ganz « normal » für den Aussenstehenden, dramatisch und verwirrend für die betroffenen Person. Ich hab da keine Angst um Dich. Du rockst das.
    Keep going and keep it high!

    1. Ach Hans, wenn ich dich nicht hätte.
      Dein Vertrauen in mich ist ja unerschütterlich. Wow.
      Wäre ich nicht so sensibel, käme ich wohl um Längen besser durchs Leben. Aber ich bin eben, wie ich bin.
      Ich danke dir🙂

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