Karusselldenken

Gestern Abend war es wieder einmal so weit, ein Anfall von Denken im Kreis hat mich angefallen. Diverse Wenns und Abers purzelten in den Fokus meiner Gedankenwelt, paarten sich mit Ängsten und Befürchtungen, die vielleicht niemals eintreten werden und endeten in einem Cocktail aus Panik und Herzrasen. Was machstn da? Nicht schlafen, wach liegen und in den dunklen Nachthimmel starren, weinen und die Unsichtbaren um Hilfe bitten, hoffend, dass mich irgendjemand hört.

Am Morgen danach war ich natürlich völlig gerädert, eigentlich war ich wie tot und doch musste der Tag angekurbelt werden. Ich weiß nicht, wie mir das gelungen ist, ich habe mich wie gelähmt gefühlt. Die Gedanken waren alle noch da, die Ängste auch. Ich habe kurzfristig gar kein Land mehr gesehen, überall ploppten neue Kopfkino-Katastrophen auf.

Ich befinde mich in einer Situation, in der mir die Hände gebunden sind. Zwar weiß ich, was ich will, sehr sicher sogar, kann aber trotzdem nichts tun. Absolut nichts. Na gut, ich kann die Hände in meinen Schoß legen und warten. Vielleicht Jahre. Geduldig sein und hoffen, dass es das Schicksal gut mit mir meint. Ich? Die ich sonst alle Probleme ad hoc beheben will und muss. Ausgerechnet. Das ist für mich eine Art Höchststrafe, ich lege die Zügel aus der Hand, muss vertrauen, hoffen und warten. Scheiße Mann, ich halte das nicht aus. Ein paar Tage geht es gut, dann schlage ich mich wirklich gut und wacker, rassel aber früher oder später wieder dorthin, wo ich seit gestern Abend hocke. Ich kann denken und grübeln, ich kann mich nächtelang zermartern und finde dennoch keine Lösung. Keine, die mich irgendetwas tun lassen dürfte. Verdammt zur absoluten Passivität, das fühlt sich nur grausam an.

Ich habe es heute mit viel frischer Luft probiert, bin nach der Arbeit auf das Fahrrad gestiegen und 25 Kilometer durch die Botanik gebrettert. Den stellenweise heftigen Gegenwind nahm ich exemplarisch. Ja, gibs mir, ich brauche das, will mich spüren! Bin ich noch da? Ich sehe den Wald vor lauter Gedankenbäumen nicht mehr. Jetzt bin ich fertig, völlig. Und lasse den Tränen einfach freien Lauf. Das ändert zwar auch nichts, aber mir fehlen Wille und Kraft zur Gegenwehr. – Hoffen auf einen neuen Tag und mehr Mut.

 

Wenn die Hoffnungslosigkeit uns zu überspannen droht, müssen wir uns besonders anstrengen.

© Dalai Lama

 

 

4 commentaires

  1. Ich wünsche Dir viel Kraft und die nötige Gelassenheit!
    (Gibt es Menschen, denen Du genaueres darüber erzählen kannst?
    Das hat mir schon mal viel geholfen.)

    Ein sonniges Wochenende und lieben Gruß, M.

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