Gutmenschen-Gesabbel

Ne Affenhitze draußen und die olle Sterntau kommt mit ihren schwer verdaulichen Gedankengängen um die Ecke … Pfff, da müssen Sie jetzt durch.

Ich werde seit einigen Jahren schon gern von den, wie ich sie gern nenne « geerdeten » Menschen, in die Gutmenschen-Schublade gesteckt. Warum? Gute Frage. Weil ich immer schon über den Tellerrand schaue. Weil ich grundsätzlich keine ausgelatschten Pfade betrete. Weil ich gern Neues entdecke und umsetze. Weil ich irgendwann aufhörte, Fleisch zu essen. Weil ich schnödes Leitungswasser trinke. Weil ich für den Frieden bin. Weil ich im Bioladen einkaufe. Weil ich konsequent bin. Weil mein Kind weder Mobiltelefon noch Fernseher noch Computer besitzt. Weil ich Ökostrom nutze. Weil … weil … weil … Ich könnte vermutlich noch zig andere Dinge aufzählen, an denen die « geerdeten » Menschen gern mal Anstoß nehmen.

Argumente wie « Ich könnte nicht auf Fleisch verzichten » oder « Leitungswasser schmeckt ja nach nichts! » hatte ich selbst auch mal in petto, so ist das nicht. Ich weiß sehr gut, zu was Mensch in der Lage sein kann. Würdet ihr mit offenen Augen im Internet lesen, Filme wie « Food inc. » anschauen und einfach mal ein bisschen Verstand zusammenfegen, ihr würdet niemals mehr auch nur eine Faser Fleisch anrühren. Würdet ihr euch für eine gewisse Zeit völlig naturbelassenen Lebensmitteln zuwenden, würde ihr merken, wie versalzen, überzuckert und überwürzt der ganze Industriefraß eigentlich ist.

Die breite Masse der Konsumenten spart an dem, was ihren Körper tagtäglich antreiben sollte, der Ernährung. Ich habe nicht einen Lebensmittelpreis im Kopf, weil ich nicht nach dem Preis einkaufe, sondern nach Appetit und Qualität. Ich bin nicht pingelig und ziehe einen regional und konventionell angebauten Apfel immer einem eingeflogenen Bio-Apfel aus Neuseeland vor, aber ich schaue mir genau an, was auf unseren Tisch kommt. Ich habe aufgehört, Wasser in Plastikflaschen nach Hause zu tragen und drehe einfach den Wasserhahn auf. Manchmal gibts einen Spritzer Zitronensaft in das Wasser, aber meistens trinke ich es pur. An Tagen wie heute mal eben drei Liter davon.

Ich war seit mehreren Jahren nicht mehr krank. Vielleicht auch, weil ich allabendlich nach wie vor eine Tasse Golden Milk trinke. Ich esse nur noch, wenn ich wirklich Hunger habe, nie mehr als drei Mahlzeiten am Tag, und dann immer auch viel Obst und Gemüse. Ich treibe mittlerweile täglich Sport, liebe die normale Bewegung im Alltag und bin meistens froh, dass ich kein Auto habe.

Früher war ich oft krank. Ich hatte Phasen, in denen ich irgendwie nur am Futtern war. Obst und Gemüse aß ich zwar, aber in überschaubaren Dosen. Und Sport war mein Feind, wenngleich ich schon immer viel in Bewegung war.
Alles, was ich heute weiß, habe ich mir selbst in Büchern und dem Internet angelesen. Mich hat niemand an die Hand genommen, mein eigener Wunsch nach Veränderung war der Antrieb. Ich bin dankbar um Menschen, die ihr Wissen u.a. auch mit mir teilen und profitiere davon ausgiebig. So bekam ich mal den Tipp, gegen die ständigen Kopfschmerzattacken regelmäßig Magnesium einzunehmen und was soll ich sagen? Ja, das hat mir sehr viel gebracht, ich werfe mir jetzt weit weniger Schmerztabletten ein.

Ihr belächelt mich sehr oft für mein Sein, für mein Tun, Denken und Handeln. Ihr versteht nicht, warum Menschen so einen Budenzauber veranstalten, anstatt sich einfach bei McDoof einen Burger zwischen die Kauleisten zu schieben. Lasst es mich so sagen: ich stehe nicht auf uniformierten Industrieleichenfraß. Gar nicht. Ich verstehe euch nicht, dass ihr euch so dermaßen unreflektiert das reinzieht, was die Ernährungsmaschinerie euch vor die Füße werft. Hey, es gibt so viele schmackhafte und gesunde Dinge auf unserem Planeten, warum füllt ihr die Konten derer, die euch mitnichten auch nur irgendwas Gutes wollen?

Kann man mal drüber nachdenken, muss man aber nicht.
Ihr dürft mich ‘Gutmensch’ nennen oder einen ‘komischen Vogel’. Who cares? Ich gehe meinen Weg und weiß, dass er verdammt gut ist. Ich bin kein Missionar, sitze aber gern mal mit einem Quinoasalat direkt vor eurer Nase herum, während ihr noch nicht einmal wisst, was Quinoa sein könnte. Merkt ihr was?

 

Alle denken nur darüber nach, wie man die Menschheit ändern könnte, doch niemand denkt daran, sich selbst zu ändern.

Leo Nikolajewitsch Graf Tolstoi

 

 

14 commentaires

  1. Verehrte Frau Sterntau,
    bei diesem Beitrag erlaube ich mir höflichst, mich von dem angeredeten ‘Ihr » zu distanzieren. In vielem teile ich Ihre Ansichten in diesen Fragen, und wo nicht, achte ich und schätze sie.
    Eine durch Erfahrung gewonnene und durch Nachdenken geprüfte Erkenntnis ist durch nichts zu ersetzen, finde ich.
    Ich vermute, Ihre Mitwelt hat Anlass gegeben, einfach laut auf den Putz zu hauen. Muss sein, manchmal.
    Ich wünsche Ihnen gutes Fortschreiten auf dem eingeschlagenen Weg!
    Mit besten Grüßen
    Ihr
    L. Theomix

    1. Hätte ich mich auf bestimmte Personen beziehen wollen, hätte ich sie wohl namentlich genannt. Dies hier ist aber kein Pranger-Beitrag, sondern ein laut gedachter Gedankenschwall. Was meine Leser damit anfangen, darauf habe ich keinen Einfluss. Wer sich den Schuh anzieht, dem scheint er ja zu passen😉

  2. Ich kann dir nur voll und ganz zustimmen, aber was hat dich denn so in Rage gebracht? Meinst du nicht, dass die Menschen eher dem folgen, der sie an der Hand nimmt und nicht dem, der sie als Idiot bezeichnet?

    1. Ich bezeichne niemanden als ‘Idioten’, das würde ich niemals tun.
      Glaub mir, irgendwann nervt es nur noch, dass so viele Menschen dich anschauen, als würdest du grünen Marsschleim verzehren, bloß weil du irgendwas isst, was in ihrem Ernährungshorizont bislang nie Erwähnung fand.

      Ich nehme niemanden an die Hand, denn das wollen die ‘geerdeten’ Menschen gar nicht. Ich lasse sie dort, wo sie sind. Und lebe mein Leben. Der Beitrag stellt sozusagen das Finale aller Aufregung dar.🙂

      1. Ich meinte das mit dem Idioten auch nicht wörtlich, sondern übertragen😉 und dennoch möchte ich lieber Menschen zeigen, wie man leben kann und sie damit mitnehmen und mich nicht über sie aufregen, sollen sie doch gucken, wie sie wollen😀

        1. Ich zeige es ihnen ja, denn ich lebe es quasi vor.
          Wenn du wüsstest, zu welch verletzenden Sprüchen sich manche hinreißen lassen, dann würdest du mich vielleicht ein wenig verstehen.

        2. Entschuldige, ich wollte dir nicht das Gefühl vermitteln, dass ich dich so gar nicht verstehe. Ich war nur überrascht über die Heftigkeit deines Eintrages.

        3. Glaub mir, ich bin nichts gegen das, was an anderen Orten geschrieben wird in diesem Zusammenhang.
          Die meisten Menschen interessieren sich einen Dreck dafür, was sie ihrer Gesundheit antun, was sie Tieren antun, was sie der Natur antun. Fleischskandale erregen kurz Aufsehen und dann wird weitergemacht, als wäre nichts gewesen. Ich dachte auch immer, ich muss etwas dazu sagen oder irgendwen aufklären. Sie wollen es nicht. Sie wollen so leben, wie es ihnen gefällt und das respektiere ich voll und ganz. Was ich nicht verstehe ist, warum sie dann gegen alles irgendwie sticheln, was in eine andere Richtung geht. Schlechtes Gewissen?!?

  3. Liebe Aurelie,
    Dein Ausbruch ist in der Tat sehr heftig und erstaunt mich angesichts Deiner sonstigen feinfühligen Art. Du musst sehr verletzt sein, dann könnte ich das nachvollziehen.

    Alles Andersartige, alle alternativen Gedankengänge werden zunächst mal von vielen argwöhnisch, ablehnend und ausgrenzend betrachtet, oft einhergehend mit Verletzungen und Demütigungen.

    Du gehst Deinen Weg konsequent und mit Nachdruck. Deine Gründe sind für Dich absolute Richtschnur Deiner Handlung. Und das respektiere ich sehr. Ich möchte Dich ermuntern, Deiner Überzeugung treu zu bleiben. In Bezug auf Deine Arbeitsstelle hast Du damit einen wunderbaren Erfolg erzielt!

    Schade, dass es wohl Menschen gibt, die ihre abweichende Einstellung nur durch beleidigende Äußerungen darlegen können und nicht in der Lage sind, einen ernst zu nehmenden Diskussionsbeitrag in den Raum zu stellen.

    Ich wünsche Dir sonnige Tage und ein sonniges Herz!
    Lieben Gruß, M.

    1. Lieber M.
      es ist schon erstaunlich, dass alle Welt denkt, ich würde mich aufregen und ich hatte beim Schreiben noch nicht einmal erhöhten Puls😀

      Natürlich nervt es mich mitunter gewaltig, wenn ich als Vegetarier ständig erklären muss, was ich da auf dem Teller habe. Alle Fleischesser um mich herum erklären ihre Mahlzeiten schließlich auch nicht. Warum auch? Dazu kommt eine gespielte Vergesslichkeit, ich erkläre einem augenscheinlich erwachsenen Menschen nicht fünf Mal, was ich da esse und er fragt beim nächsten Mal wieder, was ich esse. Dazu kommen mitunter persönlich beleidigende Äußerungen, sowas nehme ich nicht hin. Irgendwann ist es mal gut, denn wie gesagt, ich werte und bewerte niemals, was andere essen.

      Davon lasse ich ansonsten aber nicht beeindrucken. Ich gehe meinen Weg konsequent weiter😉

      Sei lieb gegrüßt!

  4. Toll geschrieben , meine Tochter ist schon seit ihrer Kindheit Vegetarierin und muss sich auch so manchen dummen Spruch gefallen lassen.
    Ich achte auch darauf, dass ich nicht das Obst aus Neuseeland kaufe, wenn es hier bei uns wächst. Und auch auf Leitungswasser sind wir sogar umgestiegen.
    Etwas bewusster zu leben, ist eine gute Idee. Man muss sich nicht rechtfertigen müssen, wenn man/frau etwas vernünftiger überlegt, was Essen bedeutet.
    Mir gehen die vollen Regale überall und die trotzdem meckernden Menschen auch ganz schön auf den Nerv. Vielleicht ist es gut heutzutage, ein gutes Beispiel zu sein, zumindest für die Kinder…
    Wie lecker schmeckt der tägliche Salat und die Kräuter aus dem Garten….
    ich bin beeindruckt von deiner Sicht der Dinge.
    liebe Grüße
    Erika🙂

    1. Ich kam auch als vegetarisch lebendes Menschenkind auf diese Welt, begann aber irgendwann als Jugendliche zaghaft Fleisch zu essen, bis ich es vor ein paar Jahren wieder gelassen habe. Komischerweise war es in der DDR der 1970er Jahre weit weniger ein Problem, als heute. Damals war das einfach so und heute muss man sich erklären und rechtfertigen. Verstehe ich nicht.

      Mir geht es nicht darum, irgendwen zu überzeugen, aber die herablassende Art, wenn ich « wieder mit dem Ökofraß » am Tisch sitze, sowas stört mich ganz einfach. Würde ich bei jedem, der an meinem Tisch sitzt über dessen Fleischkonsum einen Spruch ablassen, ich käme selbst nicht mehr zum essen. Soll doch jeder essen, was er mag. Das Recht nehmen sich Fleischesser per se, denen, die sich nur pflanzlich ernähren, wird es aber mal eben komplett aberkannt. Bin ich zu blöd, da irgendeine Logik zu sehen?

      Lieben Dank an dich, Erika, ich ein gutes Gefühl, einfach verstanden zu werden🙂

  5. ich find deine linie klasse… ich hatte auch nie einen fernseher und handy hab ich mir mit 16 vom ersten lohn der ausbildung gekauft… und den ganzen facebook und twittermüll hab ich auch nicht… ich mag mein real life viel viel lieber😀
    zum thema food inc, der film bottled life hat mich auch geschockt…drecks konzern nestle…
    lass dich bloss nicht verbiegen =)

    1. Du bist einer von den Guten, auch wenn du selbst vielleicht nicht daran glauben kannst. Ich weiß schon, warum ich dich mag🙂

      Ich lasse mich garantiert nicht verbiegen, denn ich finde den eingeschlagenen Weg ziemlich gut.

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