Sonntagsritual

In so einem gewöhnlichen Sonntag kann man einige Rituale unterbringen. Bei mir werden es mit den Jahren immer mehr, habe ich heute festgestellt und so spontan ich einerseits bin, so mag ich selbst geschaffene Rituale auf der anderen Seite.

Ein Sonntagsritual in diesem Haus ist immer die heldenhafte Bezwingung des Bügelkorbes. Nach dem Frühstück und zwei Milchkaffetschkos werfe ich mich in die Schlacht, begleitet von meinen beiden Lieblingsradioheldenunterstützern. Ich baue das Bügelbrett so auf, dass ich nebenbei immer ein bisschen in den Sonntagvormittaghimmel klimpern kann und der akustischen Beihilfe sei Dank, ist der Korb im Nu leer.

Nachdem ich vor einigen Wochen den kinderfreien Sonntagnachmittag eingeführt habe, wurde ein weiteres Sonntagsritual aus der Taufe gehoben. Es nennt sich kurz und knapp ‘Bezwing deinen inneren Schweinehund und beweg deinen Arsch!’ und erfreut sich mittlerweile größter Beliebtheit bei allen Teilnehmern. Also mir. Heute ist bekanntlich Sonntag und nachdem mein Kind das Haus verlassen hatte, habe ich nicht viel mehr als mich und mein Fahrrad geschnappt und bin 15 Kilometer durch die Botanik gekachelt.

Accessoires

Da oben im Bild sehen Sie meine uralten Fahrrad-Handschuhe, ich habe sie während meiner Münchner Zeit gekauft, sie haben sicher 20 Jahre auf dem Buckel, da ihnen aber sonst nichts fehlt, befinden sie sich nach wie vor in regem Gebrauch. Wer dieses Accessoires für überflüssig erachtet, dem darf ich sagen, dass die Polsterung in den Handinnenflächen bei mir durchaus Sinn macht. Der konstante Druck auf die Handinnenflächen führt bei Nichtbenutzung der Handschuhe irgendwann zu einem Missempfinden in beiden Unterarmen.

Ich habe vor Kurzem eine Strecke für mich entdeckt, die alles andere als bequem ist und mich ordentlich fordert. Einmal in der Woche gebe ich mir also folgendes Programm… Ich ziehe bequeme Sportklamotten an, schütze vor allem meinen Hals, kleine Schwachstelle, die unter besonderem Schutz steht. Was ich nicht mitnehme: Mobiltelefon, Kamera (auch wenn ich diverse Augenschmeichler passiere), Handtaschen groß wie schwarze Löcher, Schmuck und anderen Ballast. Bei mir habe ich lediglich: den Schlüssel, ein Taschentuch, meine Klamotten, mich und das Fahrrad. Wichtig: Nicht stehenbleiben, nicht absteigen, nicht schlappmachen!

Und so fahre ich, irgendwann stellt sich der Tunnelblick ein. Meine Beine finden einen Rhythmus, der Atem passt sich an und alles wirkt wie ein Gesamtkunstwerk – monotone Bewegung und Sound wie aus dem Technolabor. Ich bin ein Borderliner, ich gehe an meine Grenzen. Der Sauerstoff brennt wie Feuer in meiner Lunge, als ich ich mich mit Gegenwind einen laaaanggezogenen Anstieg hinaufarbeite. Nicht anhalten, nicht absteigen. Beweg deinen Arsch, verdammt nochmal! Oben auf dem Berg breitet sich das Adrenalin in mir aus, die Mühen haben sich einmal mehr gelohnt. Aber es gilt auch hier: nicht anhalten, nicht absteigen!

Meine Form wird immer besser und mein Fahrrad mir irgendwie zu « klein ». Ich denke darüber nach, in absehbarer Zeit ein neues zu erwerben, eins mit höherem Quälfaktor. Hehe.

 

Von Natur aus sind die Menschen fast gleich; erst die Gewohnheiten entfernen sie voneinander.

Konfuzius

 

 

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