Nachgereicht: 3. Urlaubstag

Viel zu zeitig wurde ich wach an diesem Morgen und mir fiel nichts Blöderes ein, als durch die Wohnung zu schleichen, unter dem Arm ein Paket Schmutzwäsche, die ich unserer Waschelse ungeniert in den Bauch gestopft habe. Und Start. Ich bin noch für ein Weilchen ins Bett gekrabbelt und habe mich durch die Zeit geträumt. Ich habe uns für diesen Tag gemäßigte Aktivitäten verordnet, ich muss nicht täglich wie ein emsiges Huhn durch die Weltgeschichte gackern.

dreaming

Immer dann, wenn der Stressfaktor seinen Zenit erreicht, höre ich mein Herzwummelstädtchen stetig lauter werdend nach mir rufen. Dort ist meine Heimat, mein Zuhause, dort habe ich das Licht der Welt erblickt und obwohl ich schon hunderte Kilometer weit entfernt gewohnt, tausende Kilometer weit gereist bin, mein Herz klopft in dieser Stadt immer etwas lauter und mein Seelchen entspannt sofort.

longing

Uns war kein besonderes Wetter vergönnt, was uns nicht davon abhielt, die Stadt zu genießen, uns in ihren Schoß zu legen und den Kopf tätscheln zu lassen. Die Stadt hat sich in den letzten 25 Jahren sehr verändert, meine Erinnerungen sind geblieben. Ich sehe mich im Café Central auf den schweren und sperrigen weißen Stühlen mit den roten PVC-Sitzen sitzen, an denen ich im Sommer immer anklebte, wenn ich die selbstgenähten Sommerkleidchen meiner Oma trug. Eis essen gehen war in meiner Kindheit etwas Besonderes, es kam einer Weltreise gleich in meiner Wahrnehmung.

closing

Der Erholungseffekt eines jeden Ausflugs in mein Städtchen ist enorm. Dort tanke ich so viel Kraft, die ich bitter nötig habe für die Etappe hin bis zu den nächsten freien Tagen im April. Ich habe mein Kind beobachtet gestern und er entwickelt zu dieser Stadt eine Sympathie, die der meinigen zunehmend ähnlicher wird. Er hat den Tag sehr genossen und war redlich müde, als wir nach Hause fuhren.

waiting

Noch nie habe ich drei Urlaubstage so excellent ausgenutzt wie diese. Natürlich habe ich viel zu wenig geschlafen, was ich dem schier übersprudelnden Glück zuschreibe, das mir in diesem Jahr besonders gewogen zu scheint. Ich freue mich jetzt regelrecht darauf, wieder an den Schreibtisch zurückzukehren, freue mich auf Begegnungen mit netten Menschen, freue mich auf die verbleibenden drei Monate des alten Lebens und den Frühling, der so herrlich wird wie keiner zuvor.

Ich liebe mein Leben.
 

Der Accent des Landes, in dem man geboren ist, wohnt im Geist und im Herzen, wie in der Sprache.

François VI. Duc de La Rochefoucauld

 

 

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