latent

Im Alltag habe ich mich mit dem Dasein als Alleinerziehende arrangiert. Absolut und auf ganzer Linie, ich hadere nicht und kann sagen, das habe ich auch noch nie getan. Dieses « Was-wäre-wenn »-Denken ist nicht so meins, weil es meistens in totale Leere läuft.

Nun verfolgt man Medienberichte aller Art besonders, wenn man irgendeiner anderen Gattung als der der Otto-Normal-Bürger angehört. Bis vor Kurzem habe ich jeden Zeitungsartikel, der sich dem Thema ALG2 verschrieb, nur so aufgesogen. Und musste mich des Öfteren aufregen. Und wollte das natürlich gar nicht. Ein blödes Dilemma.
Ähnlich verhält es sich mit Berichten über Alleinerziehende und allem, was dazugehört. So lese ich seit Jahren in schöner Wiederholung, dass Alleinerziehende sehr häufig von Armut betroffen sind und schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Ach was?!? Was mir an dieser Stelle regelmäßig fehlt, sind Lösungsansätze. Was nutzt der Hinweis auf Missstände, wenn der geneigte Leser nicht erfährt, was er oder die Gesellschaft verändern könnte?

Gestern fand sich in der Lokalpresse ein halbseitiger Artikel über die heranwachsenden Jungs von heute. Ich musste ihn mehrmals lesen und eine Nacht darüber schlafen. Es wurde festgestellt, dass vielen Jungs ein Vater in der Familie fehlt, männliche Bezugspersonen generell, weil es immer mehr allein erziehende Mütter gibt und selbst in bestehenden Zwei-Eltern-Familien die Väter oft nicht im benötigten Umfang zur Verfügung stehen. Hinzu kommt, dass in Kindergärten männliche Erzieher und in Grundschulen männliche Lehrer in Unterzahl beschäftigt sind. Stimmt, meine Erfahrung ist absolut deckungsgleich.

Es wird aufgezeigt, wie Jungs so sind, woran sie sich stoßen, was sie bräuchten. Männliche Vorbilder vor allem, Frauen sind dafür per se ungeeignet. Jungs bekämen zu wenig Anerkennung, dafür zu viel Druck. Bämm!, da bekommst du medial wieder voll die Keule um die Ohren, weil du unfähig bist, deinem Kind eine männliche Bezugsperson zu bieten. Was mich an der Stelle am meisten stört, ist die Tatsache, dass sich sowas nicht mal eben ändern lässt. Ich kann mir keinen Partner an die Seite zaubern, ich kann mein Umfeld nicht beeinflussen und trotzdem gebe ich mein Bestes. Jeden verdammten Tag. Für mich sind solche Artikel wie ne Ohrfeige, wir bekommen ein schlechtes Gewissen übergestülpt, weil wir nicht nach dem Schema Vater-Mutter-Kind leben. Hallo? Ich lebe lieber entspannt allein mit meinem Kind zusammen, als in einer Partnerschaft, die nur theoretisch existiert und ansonsten von Sorgen und Gram durchzogen ist.

Weiterhin bleibt festzustellen, es ist ganz wunderbar, wenn Missstände aufgezeigt, aber Lösungsvorschläge vorenthalten werden. Ich frage mich, welch beschränkte Denkweise einem Autor obliegt, wenn er mit dem Finger auf eine Bevölkerungsschicht zeigt, dabei aber außen vorlässt, was die mehr als eine Million Frauen anders machen könnten. Lächerlich!

Also, lesen, zur Kenntnis nehmen, mit dem Kopf schütteln und aufrecht weitergehen.

 

Die Aufgabe des Lebens besteht nicht darin, auf der Seite einer Mehrzahl zu stehen, sondern dem inneren Gesetz gemäß zu leben.

Marc Aurel

 

 

5 commentaires

  1. Ich ärgere mich auch oft über Medienberichten, die viel zu einseitig oder gar nicht recherchiert sind, um wirklich zur Meinungsbildung beitragen zu können. Ich kann dir nur raten: halte dich nicht mit dem Ärgern auf, wenn es um Dinge geht, die du nicht beeinflussen kannst. Und kümmere dich um das, was du beeinflussen kannst. Ich glaube, dein Kind ist sehr glücklich, eine Mama wie dich bekommen zu haben. Liebe Grüße schickt Doris

    1. Lieben Dank, Doris🙂
      Ich will mich von derlei Artikeln nicht beeinflussen lassen, irgendwas bleibt aber eben immer hängen und das Grübeln geht los. So bin ich😀
      Ich muss noch ordentlich an mir arbeiten, dann prallt so ein Geblubber hoffentlich an mir ab.

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