Freiheit in Etappen

Dieser Tag beginnt grau und ein bisschen nass, dafür für einen Tag im Februar frühlingshaft mild. Ich überlege kurz, ob ich mit dem Rad zur Arbeit fahre, entscheide mich aber dagegen, weil weiterer Regen angesagt ist und ich nach der Arbeit noch einen Termin am anderen Ende der Stadt wahrnehmen muss.

Ich laufe zur Arbeit, mit Musik im Ohr und bin so dermaßen guter Dinge. Seit gestern bubbelt mein Herz morgens immer vor lauter Aufregung ganz wild. Ich bin mir keiner Schuld bewusst, das fühlt sich aber lustig an.

Wir werten kurz die gestrige Betriebsversammlung aus und alle sind zufrieden. Ich freue mich jeden Tag aufs Neue, in welch fabelhaftem Team ich tätig sein darf. Es macht so viel Freude, mit all diesen Menschen zusammenzuarbeiten, ich gehe immer voller Freude ins Büro. Ein Umstand, den ich so zuvor noch nirgendwo erlebt habe. Ich würde mal sagen, es handelt sich hier nicht um einen Beruf, sondern vielmehr um eine Berufung.

Mittags ist der Tag noch grauer als am Morgen und wir kämpfen gemeinsam gegen die aufkommende Mittagsschlappheit. Ich wühle mich heute durch eine anstrengende Materie und lege den Stift ein Stündchen eher ab als sonst. Vor zwei Wochen erhielt ich eine Einladung, der ich heute nachkomme.

Ich verlasse das Mutterschiff meiner Firma und pling!, scheint auf einmal die Sonne. Mal sehen, wer heute mehr strahlt, ich will gewinnen. Aus Gründen der Zeitersparnis nehme ich auf dem Hinweg den Bus, hätte ich gewusst, dass der Regen im Himmel bleibt, wäre ich doch mit dem Fahrrad zu meinem Termin gefahren. Egal, an der Bushaltestelle halte ich mein Gesicht in die warme Sonne, das tut so gut.

Pünktlich stehe ich vor der Tür meiner Arbeitsvermittlerin, die ich ewig nicht mehr gesehen habe. Ich befürchte, ich strahle schon jetzt mehr als die Sonne. Sie begrüßt mich herzlich, anders als früher. Ich nehme ihr gegenüber Platz und sie klappt meine ziemlich dicke Akte auf. Eigentlich wollte ich sie erst einmal reden lassen und ihr dann meinen Arbeitsvertrag auf den Tisch legen. Aber ich bin ja ein netter Mensch und ziehe den Vertrag bereits nach ihren ersten beiden Sätzen aus der Tasche. Sie reagiert unglaublich, ballt ihre rechte Hand und macht eine Siegerfaust. Da schau an. Sie freut sich wirklich für mich, damit hätte ich nicht gerechnet, früher war sie mir nie wirklich wohlgesonnen und hat mich das auch spüren lassen.

Nach zehn Minuten verlasse ich ihr Büro bereits wieder und in dem Moment fällt so viel von mir ab. Ich musste keine Eingliederungsvereinbarung mehr unterschreiben, denn ich bin bereits bestens eingegliedert. Ich trete vor das Haus und entscheide mich spontan, nach Hause zu laufen. Ich will jetzt ein bisschen für mich sein, ich will mich freuen und loslassen, was so lange an mir klebte. Ich trenne mich von diesem Kapitel nicht im Zorn, ich lasse los, froh um die Erfahrungen, die ich sammeln konnte in den mehr als neun Jahren. Ich habe gelernt, mit sehr wenig Geld auszukommen. Ich musste mich massiv in Geduld üben, fühlte mich oft wie ein Rennpferd kurz vor dem Start, nur dass niemand den Startknopf betätigte. Ich wollte und wollte und durfte nicht, weil die Zeit noch nicht reif war. Ich habe gelernt, an mir selbst festzuhalten, an mich zu glauben. Ich bin gut, ich bin fleißig, lerne und erfasse unglaublich schnell. Ja, ich bin mir all dessen heute bewusst und ich verstecke mich nicht mehr.

Frei wie der Blick zur Sonne

Und so sieht der Himmel nach diesem Tag aus. Beinahe jede graue Wolke hat sich in ihre Bestandteile aufgelöst, extra für mich und meine unbändige Freude. Ich liebe mein Leben. Jeden Tag mehr.

 

Es ist mehr die Geisteshaltung als die äußerlichen Begebenheiten, die für das Glück ausschlaggebend ist.

© Dalai Lama

 

 

6 commentaires

    1. Ich las heute bei Facebook ein Zitat, wie es treffender nicht sein könnte: « Der Tod ist nicht der schlimmste Verlust im Leben. Der schlimmste Verlust ist was in dir stirbt, während du am Leben bist. Gib niemals auf! » 2Pac
      Daran sollten wir uns alle halten.
      Also liebe Gabs, gib niemals auf, ich glaube an dich!

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