AE

alleinerziehend

Alleinerziehende sind Personen, die mit mindestens einem minderjährigen Kind in ständiger Haushaltsgemeinschaft zusammenleben und dieses betreuen und erziehen, ohne einen eigenen Partner in ständiger Hausgemeinschaft zu haben. Man spricht auch von Ein-Eltern-Familien.

Quelle

 

Ich bin es seit beinahe dreizehn Jahren ununterbrochen.
Ich wusste vorher nicht, was mich erwarten würde.
Ich hatte nicht einmal ansatzweise eine Ahnung vom Leben der Alleinerziehenden.
Und sprang ins kalte Wasser.

So gesehen habe ich seit 13 Jahren kein eigenes Leben mehr, weil ich meins an das meines Kindes vollauf angepasst habe. Ich glaube, ich war keine zehn Mal in diesen 13 Jahren abends aus. Ich habe in 13 Jahren einmal keine Kindervorstellung im Kino besucht. Ich stehe niemals nach 8 Uhr am Morgen auf, weil da ein Kind auf sein Frühstück wartet und viel Wert auf gemeinsame Mahlzeiten legt. Ich hatte unfassbar viele schlaflose Nächte, habe unzählige Male Teppiche und Matratzen von den Hinterlassenschaften irgendwelcher Körperausscheidungen befreit, habe mich mit den Problemen, die jeder Alleinerziehende kennt, um den Schlaf gewälzt. Entscheidungen wollten getroffen werden und ich konnte mich mit niemandem beraten.

Manchmal habe ich das Gefühl, mal eben zusammenbrechen zu wollen und scheitere doch an meinem schlechten Gewissen. Mein Kind ist vor Jahren mit mir durch das tiefe Tal der Depressionen gestiefelt und hat seinen Vater noch nie gesehen. Ich bin nicht perfekt, gar nicht, auch weil ich keine typische Bastel-und-Spielorgien-Übermutter bin. Ich versuche täglich aufs Neue, meine Sache so gut wie möglich zu machen und meinem Kind viel Positives auf seinen Lebensweg mitzugeben.

Ich würde mir an dieser Stelle einfach mehr Akzeptanz für eine stetig wachsende Bevölkerungsschicht wünschen, immerhin gibt es von uns 1,6 Millionen in Deutschland. Etwas, was mir außerdem sehr auf der Seele liegt, ist das Thema Steuergerechtigkeit. In unserem Land wird die Ehe im Steuerrecht klar bevorzugt, auch wenn es da diesen seit zehn Jahren stagnierenden Entlastungsbetrag gibt. Ich bin der Meinung, wir sollten nicht schlechter gestellt sein, schließlich haben wir als Einzelkämpfer sowieso schon mit diversen Stolpersteinen zu kämpfen. Wenn Sie uns unterstützen wollen, zeichnen Sie doch bitte freundlicherweise eine Kampagne des VAMV mit.

Ich kann diesem Status übrigens auch Gutes abgewinnen, denn ich bin in diesen dreizehn Jahren zu einer Kämpferin geworden. Ich habe mein Leben perfekt organisiert und kann mich an vielen Kleinigkeiten erfreuen. Ich weiß, was wirklich zählt im Leben. Und dafür bin ich dankbar. Sehr.

 

Allein ist der Mensch ein unvollkommenes Ding; er muß einen zweiten finden, um glücklich zu sein.

Blaise Pascal

 

 

16 commentaires

  1. Ich stimme dir voll und ganz zu. Was du übrigens vergessen hast: Zu deinem Status als Alleinerziehende kommt noch der tief empfundene Respekt von den Menschen, die nur einmal versuchen, sich in diese Rolle hinein zu versetzen. Ich gehöre dazu.

    1. Ich glaube, bei vielen Menschen herrschen da ziemlich verquere Vorstellungen, mit was sich ein Alleinerziehender mitunter so herumplagen muss. Im Gegenteil, ich habe schon oft erlebt, dass davon ausgegangen wird, dass alleinerziehende Mütter oder Väter diverse Zuschläge erhalten. Ich weiß nicht, worauf diese Vorstellungen beruhen, aber sie sind schlichtweg falsch.
      Ich finde es toll, dass du dir Gedanken machst🙂

      1. Das ist das Mindeste, was ich tun kann und bei diesen leidigen Hartz4-Diskussionen muss ich halt immer lachen, weil man zwar immer die alleinerziehenden Mütter als Beispiel heranzieht, aber kein Mensch mal überhaupt ne Lanze für alleinerziehende Eltern bricht, ganz egal, ob arbeitslos oder eben jene, die es schaffen, nebenher noch einen Job oder zusätzlich noch ein Studium zu schmeißen. Der Sozialstaat definiert sich leider allein übers Geld und interessiert sich dann doch zu wenig dafür, wie man einem einzelnen Elternteil unter die Arme greift.

        1. Und die Gefahr, an die Armutsgrenze zu rutschen, ist bei Alleinerziehenden besonders groß. Das liegt nicht daran, dass diese Menschen keine Lust auf Arbeit haben, sondern vielmehr, dass man mit Kindern im Lebenslauf generell eher schlechte Karten hat. Niemand gibt einem Chance, niemand glaubt an dich, echt hart, da nicht den Mut zu verlieren. Es nutzt nicht viel, immer wiederkehrend über die Problematik der Alleinerziehenden zu berichten, wenn dann niemand geneigt ist, etwas dagegen zu unternehmen. Die diversen Projekte, die sich mit EU-Fördermitteln bislang gegründet haben, bringen uns nicht die Bohne weiter, weil sie ihren Fokus für gewöhnlich auf Dinge legen, die eher unwichtig sind. Ich musste auch mal zu einem Vorstellungsgespräch bei einer solchen Initiative und habe sofort den Glauben an deren Erfolg verloren, als ich hörte, um was es denen geht. Ein Lacher. Und gehört habe ich danach von diesem Projekt … ganz richtig, nichts!😀

        2. Das ist aber auch das Problem, was ich mit der EU habe. Sie ist für solche Vorhaben viel zu groß bzw. das Gebiet ist viel zu groß. So etwas muss regional angepackt werden. Natürlich mit finanzieller Unterstützung, aber eben auch mit Menschen vor Ort, die beurteilen können, was da getrieben wird. Sonst ist es wie der « Aufbau-Ost » wo einfach nur Geld versickerte. Aber eine Gemeinde könnte da viel mehr auf die Beine stellen. Sehen, wo man ansetzen könnte und dann nach Unterstützung verlangen.

        3. Die EU, hör mir bloß auf…. Im Grunde meines Herzens gebe ich der amerikanischen Diplomatin sowas von Recht:mrgreen:
          Mittlerweile bezweifle ich schwer, dass in diesem Land oder der EU irgendwer daran interessiert ist, dass es den Menschen gutgeht. Da kommt doch nur noch Murks bei raus, wenn die sich zusammentun. Deshalb sollte man immer versuchen, das Beste aus seiner Situation herauszuholen, es bleibt einem nichts anderes übrig, sonst geht man irgendwann kaputt.

        4. Das Konstrukt ist gar keine schlechte Idee, aber die Umsetzung…herrje…typischer Fall von « gut gemeint ». Man sieht aber immer wieder, was mancherorts erreicht wird, wenn sich alle zusammen tun und einfach anpacken und verändern. Es kann auch so leicht sein.

        5. Einfach geht in unserem Land nicht, hier wird alles verkompliziert durch irgendwelche Wenns und Abers. Ermüdend.
          Gefällt mir alles gar nicht, aber ich weiß auch nicht, was ich als popliger kleiner Bürger tun könnte.

        6. Ich glaube, da sollte man sich wirklich mehr auf den eigenen Ort konzentrieren. Schauen, was da nötig ist und zeigen, dass man dabei ist (wobei das ja nun bei dir nicht möglich ist, wo soll die Zeit herkommen?). Bei uns gibt es immer wieder kleine Initiativen, die das Leben hier reicher gestalten und Hilfen anbieten. Wie zum Beispiel ein Laden, bei dem man nicht zahlen muss. Eigentlich soll man was mitbringen (natürlich brauchbar) und darf was mitnehmen, aber es ist auch okay, wenn man mal nichts dabei hat und was mitnimmt. War ein riesiger Aufwand, es aufzuziehen, aber nun läufts

        7. Klar, vor Ort zu beginnen, ist schon mal ein Anfang. Hier in der Stadt hat sich vor Kurzem auch so eine sympathisch erscheinende Initiative gegründet, um ein wenig frischen Wind in den vermieften Stadtrat zu bringen. Das freut mich sehr.
          Ich selbst habe auch schon sehr viel nicht mehr benötigten Hausrat, Kleidung und Spielzeug in einer Sammelstelle gebracht. Ich werfe nur kaputte Dinge weg, alles andere erfährt hoffentlich eine dankbare Weiternutzung.

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