Staatskunst

Ich halte mich für einen durchaus politisch interessierten Menschen. Mittlerweile gibt es leider immer weniger Politiker, denen ich zuhören mag. Herr Gysi stellt für mich immer wieder die löbliche Ausnahme dar, auch wenn ich mit Parteien im Allgemeinen nichts mehr anfangen kann. Wenn Sie Zeit und Lust haben, schauen Sie sich mal einige Reden von Herrn Gysi bei Youtube an. Ich könnte diesem Menschen fortwährend applaudieren, dafür, wie er spricht, er ist ein sehr guter Redner, zudem trifft er meinen Nerv mit seinen Inhalten ziemlich genau. Ansonsten ist die deutsche Politiklandschaft wahlweise zum Aufregen oder Einschlafen.

Lokal-Politik war bislang auch so spannend und abwechslungsreich wie eine Riege Kussmund-Selfies in manchen Facebook-Profilen. Bedingt durch meine Arbeit habe ich in den vergangenen zwei Jahren sehr viel Einblick in die Politik meiner Stadt bekommen und dazu fällt mir nur ein Wort ein: schnarch! Aua, es tut schon weh, wenn man sieht, welche Spielchen dort gespielt werden, wie jedwedes Fortkommen von Menschen behindert wird, die seit 20 Jahren nach der Devise agieren « Aber das haben wir doch schon immer so gemacht » und damit neue Ideen sofort im Keim ersticken. Ich habe einige Jahre nicht in der Stadt gelebt und damit auch nur mehr am Rande mitbekommen, was so läuft. Es gäbe hier viel Potenzial, allein, niemand kommt aus den Puschen, alles dümpelt so vor sich hin, weil niemand so recht die Verantwortung übernehmen möchte. Oder so.

So ist die Stadt Bauherr und würden andere für ein neu gebautes öffentliches Gebäude kein Richtfest ausrichten, dann gäbe es eben gar keins. Argh! Aber exemplarisch. Ich glaube, eine Sitzung des Stadtrates dürfte ich nicht besuchen, vermutlich würde ich platzen. Mir genügen die Schilderungen und ich greife mir gepflegt an den Kopf.

In Bälde ist meine Firma Bauherr und lädt zum Ersten Spatenstich. Dann werden sie wieder in der ersten Reihe stehen, die Lokalpolitiker, die sich dann feiern, als hätten sie irgendwas bewegt. Das ist ein grandioses Schaulaufen derer, die sich wie kleine Lokalhelden fühlen oder nach Größerem streben. Ich habe letzten Herbst erst einer ähnlichen Veranstaltung beiwohnen dürfen und musste fortwährend in mich reingrinsen. Echt niedlich, diese kleinen Politiker.

Kurz vor Weihnachten hat sich eine kleine Initiative gegründet, die mit neuen Ideen in den Stadtrat einziehen will, wenn im Mai ein neuer gewählt wird. Ich verfolge die Damen und Herren intensiv und freue mich sehr über deren Engagement und ihre Ideen. Frischer Wind ist das, was diese Stadt braucht und wäre ich ein klein wenig extrovertierter, würde ich mich dort auch einbringen.

Diesen Beitrag dürfen Sie sehr gern als Verlängerung zu meinem gestrigen Beitrag sehen. Es gibt Dinge, die brennen mir massiv auf der Seele, die müssen raus.

 

Wahrhaftigkeit und Politik wohnen selten unter einem Dach.

Stefan Zweig

 

 

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