Ich wache noch

le désir
 

Ich wache noch in später Nacht und sinne,
wie ich dir etwas Liebes sagen möchte,
daß ich dir einen Kranz von Worten flöchte,
daraus du würdest meiner Sehnsucht inne,

die mich nach deiner Gegenwart erfüllet,
als wär’ ich nur bei Dir gewahrt vor Sorgen,
als lebt’ ich nur in Deinem Blick geborgen,
dem teuren Blick, der mich in Liebe hüllet.

Christian Morgenstern

 
le désir
 

 

Geschichten aus dem Handkusshaus 11

Frau Fassbender fiel in ihrem früheren Leben durch ein gehobenes Dasein auf. Landläufig und kurz gesagt, sie war ziemlich etepetete. Ich weiß das, weil sie für einige Zeit mit einem Familienmitglied zusammengearbeitet hat, man wohnte im gleichen Ort, kannte sich, grüßte sich.

Vor zwei Jahren begann die letzte Karriere der Frau Fassbender. In unserem Haus fand sie sich immer wieder zu Kurzzeitpflegeaufenthalten ein. Die Demenz ergriff zunehmend von ihrer Person Besitz und ihr Mann, um einige Jahre älter als seine Frau und selbst mit nachlassender Gesundheit bedacht, war der Dauerbelastung nicht mehr gewachsen. Für lange Zeit versuchte er die Pflege seiner Frau ganz allein zu stemmen, auch finanziell. Irgendwann musste er allen Stolz loslassen und sich eingestehen, dass es so nicht geht. Bloß gut.

Vor ein paar Monaten hat Frau Fassbender ihren Hauptwohnsitz zu uns verlegt. Sie zog in keinem wirklich berauschenden Zustand bei uns ein, hat sich aber ziemlich schnell wieder berappelt und ist mittlerweile einfach nur zückersüß. Etepetete war einmal, heute fällt sie durch lautes Singen und kindlich entspannte Auftritte auf. Mich sortiert sie grundsätzlich ihrem Heimatort zu, der sich in Thüringen befindet und den ich noch nie besucht habe. Im Handkusshaus ist man alles für jeden. Mit einem Lächeln auf den Lippen.

Vor etwa zwei Wochen hat Frau Fassbender einen Narren an dem Namensschild neben ihrer Zimmertür gefressen. Seitdem ist das Schild immer wieder weg. Mal findet es eine Pflegekraft unter die Matratze gepfriemelt, mal stopft es sich Frau Fassbender hinten zwischen Po und Schlüpfer, so wie gestern. Ich habe nun schon mehrfach neue Namensschilder gedruckt, auch weil sie mittlerweile auch die Schilder anderer Bewohnerzimmer sehr spannend findet. Heute habe ich mit durchsichtigem Klebeband unsichtbare und hoffentlich wirksame Gegenmaßnahmen getroffen, ab übernächste Woche urlaube ich ein bisschen und bevor niemand mehr weiß, wer in welchem Zimmer wohnt …

 

Kniehang

Ich wollte, ich wär’ eine Fledermaus,
Eine ganz verluschte, verlauste,
Dann hing ich mich früh in ein Warenhaus
Und flederte nachts und mauste,
Daß es Herrn Silberstein grauste.
Denn Meterflaus, Fliedermus, Fledermaus -
(Es geht nicht mehr; mein Verstand läuft aus).

Joachim Ringelnatz

 

 

Mi aime jou

Julimorgen
 

Und wir werden zusammen schweigen –
und ich werde mein Haupt an dich legen –
und du wirst dein Haupt auf mich neigen –
und ich werde den Nacken bewegen
und deinen Lippen entgegenstreben
und Leben
von ihnen trinken
und ihnen spenden –
und wieder zurück dann sinken
und Brust nur und Wimper noch regen –
und dann werden wir wieder zusammen schweigen –
um dann aber das Schweigen zu enden –
und aber zu enden in Schweigen –
in ewigen Wenden.

Christian Morgenstern

 
Juliabend
 

 

C’est l’été

Das erste Wochenende im Juli war bestimmt von einem Firmenjubiläum, einem Trödeltag und 30 Kilometern auf dem Fahrrad. Ich lasse einfach Bilder sprechen …

Leibspeise im Sommer

Mikrofon

Jungfer in bleu

rosé

grün

Der Tropfen

lila

pink

Sommersonnenmittag im Juli

So ein Juli, so ein Sommer sind vor allem eins: bunt. Und ich liebe es. Frisches Obst und Gemüse, alles grünt und blüht, die Sonne wärmt und tut der Seele gut. Ich brauche nicht viel mehr zum Glücklichsein.

 

Der Mensch hält sein Schicksal für etwas Fremdes, weil ihm das innere Band verborgen ist. Aber die Seele enthält jedes Ereignis, das sie erleben wird, denn das Ereignis ist nur der Gedanke, der sich nach außen projiziert, und das, worum wir zu uns selbst beten, wird uns immer gewährt.

Ralph Waldo Emerson

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Holla the woodfairy!

Was am Morgen ein ruhiges Frühstück, ist mir abends die tägliche Golden Milk. Damit lande ich immer wieder auf dem Teppich. Nach einem solchen Tag habe ich das schon nötig. Hui, die Post ging ab, nie unangenehm oder belastend, sondern in positiven Ausmaßen.

Frühstück

Ich bin auch heute nicht dazu gekommen, in meinem Büro mal ein bisschen gegen den Staub zu kämpfen, aber das habe ich mir für die kommende Woche ganz fest vorgenommen. Männer und Büros, irgendwie siegt da immer der Staub. Wird Zeit, dass ich klar Schiff mache.

Sommermorgen

Neben einem dauernörgelnden Bewohner am Morgen fand ich auch die Tatsache zum Schießen, dass eine Bewohnerin sporadisch die Türschilder ihrer Mitbewohner versteckt. Muah. Und keiner weiß, was man dagegen tun soll, festkleben ist nicht, anderweitig festmachen auch nicht. Ich habe gestern und heute schon neue Schilder ausgedruckt und bin mir sicher, am Montag drucke ich weiter. Tja, liebes Unesco-Ding, in einem Haus voller Menschen in Anderswelten braucht es eher praktische als designte Dinge. Ich bin gespannt, wie es wohl weitergehen wird. Diese kleine Episode lässt jedenfalls mein Herz aufgehen.

Ich liebe eine bestimmte Pflegekasse. Immer unkompliziert, immer freundlich und hilfsbereit und immer korrekt. Buuuuh —> so ziemlich alle anderen Pflegekassen. Ein Beispiel… Mit einer Pflegekassen-Angestellten telefoniere ich einmal pro Monat wegen dem Kurzzeitpflegeaufenthalt einer Dame im Dezember letzten Jahres (sic!). Es geht um 330 Euro ca. und alle vier Wochen ruft sie an, fragt etwas zu dem Aufenthalt von nicht einmal einer Woche, ich gebe ihr die immer gleiche Antwort, sie sichert die Zahlung zu und … zahlt nicht. Hat was von Realsatire. Meine FiBu findet das nicht so lustig, ich sah letztens eine Halsschlagader mächtig pulsieren. Haha.

Der andere Arbeitsbereich hat gar nicht lange gebraucht, meinen neuen Wirkungskreis und die ebenfalls neue Telefonnummer herauszufinden. Eine Kollegin hat mich heute bestimmt fünf Mal angerufen und ich habe sie telefonisch supported. Ja, da staune ich doch über mich selbst. Das Wechselspiel zwischen jung und alt wuppe ich mittlerweile mit links, da hakt nichts mehr aus, wenn ich den Spagat wage. Früher musste ich mich danach immer eine Weile sammeln.

Sommerabend

Ich hatte trotz aller Arbeit noch Zeit für einen Plausch mit meiner Lieblingskollegin, das tut meinem Seelchen immer wieder gut. Ich konnte die Mittagspause wieder in der Sonne verbringen mit meinem schmackofatzigen Quinoasalat. Ich konnte radeln, ich wurde auf dem Arbeitsweg von meinem Lieblingsmenschen begleitet, ich habe atemberaubend duftende Lindenbäume erschnuppern dürfen und zu aller Krönung hat mich vorhin beim Yoga ein Schmetterling in meinem Wohnzimmer besucht. Schnallapeng, ich schnalle gerade selbst gehörig ab, wie das allet looft, ey!

Wissen Sie was? Es geht mir gut, so guuuuut. Quiek.
 

Liebst du das Leben?
Dann vergeude keine Zeit, denn daraus besteht das Leben.

Benjamin Franklin

 

 

Sleepless in July

Für so eine Harmoniekuller wie mich ist das aktuelle Tohubawohu wieder einmal völlig ungeeignet. Das Gezerre um meine Arbeitskraft hat eingesetzt und ich muss kämpfen, dass ich nicht auf der Strecke bleibe. Eigentlich habe ich den totalen Sockenschuss, der eben verabschiedete Kollege hat einen Bruchteil der Arbeit erldigt, die ich mir auf meine Schultern lade und ist mehr als zwanzig Jahre ausgesprochen ruhig durch die Botanik geschippert. Ich brauche eine Herausforderung und Langeweile in der Arbeit ist mehr als ätzend, also packe ich mir die Schultern voll. Ich kenn das ja, ich bin das gewohnt. Was ich nicht gewohnt bin, ist die Selbstverständlichkeit und mitunter anmaßende Respektlosigkeit, die hier und da ins Kraut schießt. Leute, mein Tag hat auch nicht mehr als 24 Stunden und ich bin alleinerziehende Mutter, darauf dürft ihr sehr gern ein bisschen Rücksicht nehmen. Danke.

cloudy

Gestern Abend fand ich noch recht gut in den Schlaf, wurde allerdings um kurz nach 1 Uhr in der Nacht wach und habe eeeewig gebraucht, bis ich wieder einschlafen konnte, bis einen gefühlten Wimpernschlag später schon der Wecker klingelte. Gnahü. Schlafmangel beschert mir grundsätzlich eine ekelhafte Übelkeit, ich musste mich zum Frühstück zwingen. Dafür beschloss ich spontan, unterbuttern lasse ich mich nicht (mehr). Der doppelt ausgeprägte Stier in mir schoss ins Kraut und der Kampfeswille feierte ein kleines Comeback.

cloudy

So gesehen muss ich mich gar nicht fürchten, alles ist gut und ich bin durchaus in der Position, eigene Entscheidungen zu treffen. Ich muss mich nicht verstecken oder vor irgendwem kuschen, ich kann sagen, was ich will und was nicht. Ganz einfach eigentlich, wenn man nicht gerade Aurélie heißt.
Später am Tag war ich stolz auf mich und fühlte mich ein bisschen, als hätte ich zu viel gesoffen gestern Abend. Nichtsdestotrotz, der Stier² hat dann doch noch viel abgearbeitet. Heute bin ich stolz auf mich und müde wie nichts Gutes.

Quinoasalat

Mir stehen zwei arbeitsintensive Tage im Handkusshaus bevor, deshalb habe ich nach diesem langen Tag noch einen Quinoasalat gezimmert. Das Zubereiten bringt mich runter und das Ergebnis wird mir morgen guttun. Der vegane Anteil meiner Ernährung legt ständig zu und ich fühle mich damit verdammt gut.

Ich bin auf dem Weg. Meinem Weg.
Und ich vertraue.
Alles wird gut.
Richtig gut.
 

Wenn du deine Aufmerksamkeit so viel wie möglich im Körper hältst, dann bist du im Jetzt verankert. Du verlierst dich weder in der äußeren Welt noch in deinem Verstand. Gedanken und Gefühle, Ängste und Wünsche können dann zwar noch da sein, aber sie überwältigen dich nicht.

Eckhart Tolle

 

 

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