Finden ohne Suchen

Ich habe schon Pilze gesucht. Und keine gefunden. Weil ich den Pilz vor lauter Wald nicht sehe.
Ich habe die Liebe gesucht. Und keine gefunden. Weil ich die Augen vor mir selbst verschloss.
Ich habe zig Mal einen Job gesucht. Und tatsächlich einen gefunden.
Aber ich habe noch nie nach einem Freund gesucht. Keinen engen und schon gar keinen besten Freund.

Meine allerbeste Freundin trat mit einem Paukenschlag in mein Leben. Heute kann ich darüber nur noch lachen, damals habe ich getobt wie ein Sturm im Wasserglas. Aber nur kurz, ich kann so ein Level bekanntlich nicht sehr lange halten. Ich liebe diese Frau, die mir nun schon zehn Jahre unumwundene Treue hält, die mit mir durch tiefe Täler gelaufen ist, mit der ich so viel gelacht und manchmal auch geweint habe. Wir sind einander absolut loyale Kameraden, wir sind immer füreinander da, wir spüren uns auch über die dreihundert Kilometer, die zwischen uns liegen, ganz arg.

Traumkugel

Da sind auch noch einige andere Menschen, die mir viel bedeuten. Meine Lieblingskollegin beispielsweise, die mir von ihrem Urlaub heute ein Mitbringsel auf den Tisch stellte. Eine Traumkugel. Weil sie weiß, wie ich ticke, weil wir uns vom ersten Tag unserer Zusammenarbeit liebhaben, weil wir auf einer Wellenlänge surfen. Da sind aber auch Menschen, die ich weder oft kontaktiere noch treffen kann, weil Zeit und Raum dies einfach nicht zulassen. Aber wenn wir uns sehen, steht die Zeit dazwischen niemals wie eine Mauer zwischen uns, wir machen einfach dort weiter, wo wir einst aufgehört haben.

Und dann plötzlich ohne jedwedes Suchen und Findenwollen betrat ein weiterer und vor allem sehr besonderer Mensch mein Leben. Er war schon länger da, ein loyaler Mensch, ein treuer Gefährte, der jetzt quasi über Nacht nach viel Austausch, Loslassen und Offenbarung mein allerbester Freund wurde. Ich bin unglaublich dankbar, dass ich das erleben darf, dass ich so dermaßen reich beschenkt werde. Er ist nicht nur ein Freund für mich, nein, vor ihm darf ich voll und ganz ich selbst sein. Ich muss mich nicht verstellen, ich darf über alles sprechen, ich darf weinen, lachen und Unsinn mit ihm machen. Das rührt mich gerade sehr an.

Was ist das nur für ein Jahr? Ohne Worte.
Ich danke dir so sehr, du wunderbares Wesen.
Du bist unglaublich. Ich aber auch.
Ich liebe dich und besiege jeden Drachen. Für dich.
 

Wenn du bei deinem Freunde und bei dir selber, anderswo als in dir und anderswo als in ihm, die gemeinsame Wurzel suchst, wenn es für euch beide einen göttlichen Knoten gibt, der sich aus der Zusammenhanglosigkeit der Baustoffe ablesen läßt und die Dinge verknüpft, so gibt es keine Entfernung und keine Zeit, die euch trennen könnte, denn jene Götter, auf die sich eure Einheit gründet, spotten aller Mauern und Meere.

Antoine de Saint-Exupéry

 

 

So weit weg und doch so nah

Manchmal geschehen Dinge, die in keiner Rationalität dieser Welt eine Erklärung finden können und wollen. Manchmal genügt es einfach nur, den Dingen ihren Lauf zu lassen, sich nicht zu wehren mit Verstand und dieser Rationalität. Manchmal geschehen diese Dinge in meinem Leben. Und immer, wirklich immer lassen sie mich sprachlos, dankbar und demütig zurück. Mit einer gewaltigen Lernaufgabe. Amor fati, do you remember?

Ruhe

Ich war dann mal weg, obwohl ich das Haus gar nicht verlassen habe.
Kein Facebook, keine Mails, keine Nachrichten, einfach weg.
Von allem und jedem, abgekoppelt von dem Getöse der Welt.
Ich habe genau das gebraucht. Und wie.
Mein Leben war in letzter Zeit immer zu laut, zu hektisch, da war von allem zu viel und mein Körper schickte ein Zeichen nach dem anderen.

Rose

Komm runter, finde die Stille, lausche der Ruhe, spüre dein höheres Selbst endlich wieder, nachdem du es so lange auf dem Dachboden deiner Seele vor dir selbst versteckt hast. Keine Masken, kein Verstecken mehr, schau in den Spiegel und sieh genau hin. Was siehst du? Bist du nicht wunderschön mit all deiner Liebe und Verletzlichkeit? Bist du es nicht wert, dich zu lieben, geliebt zu werden? Halte deinem eigenen kritischen Blick stand und du findest nur eine Antwort. DU bist das Beste, was DIR passieren konnte. Du bist ein wunderbarer Mensch, du bist gesegnet, du bist behütet, du lebst die Leidenschaft, du bist deine eigene Göttin. Nimm dir die Zeit und schau nicht weg, dann siehst du, was ich sehe.

Ich habe mich wiedergefunden an diesem Wochenende.
Ich habe gelacht.
Ich habe geweint.
Ich habe gesehen, wer ich wirklich bin.
Und ich bin eine wahnsinnig tolle Frau.
Du hast so verdammt recht.
Ich danke dir, Lieblingsspiegel.

Ich danke dir, dass du an mich glaubst, mich trägst und groß machst, wenn ich in der Bedeutungslosigkeit verschwinden möchte. Es war eine der besten Entscheidungen seit langem, meine Augen zu öffnen, mich nackt zu machen und mich mit deiner Reflektion zu betrachten. Ich sah nur Schönheit, Liebe, Leidenschaft und so viel Tiefe.

Für dieses Jahr ist dieses Empfinden eigentlich nur eine Art Krönung. Ab jetzt darf ich endlich mein wahres Potenzial entfalten. Ich danke allen, die mich auf dem Weg bis hierhin begleitet haben, in jedweder Hinsicht. Jeder von euch hatte seinen Sinn in meinem Sein, ich unterscheide längst nicht mehr zwischen positiv und negativ, denn alles ist gut, alles macht mich zu dem, was ich jetzt bin. Ich.

Hallo Leben, du fühlst dich so gut an!
 

Amor Fati.
“Love Your Fate”, which is in fact your life.

Friedrich Nietzsche

 

 

Reichtum

burn!
 

In den Städten ist das Leben kleiner
Als hier in meinem Haus auf dem Hügel.
In der Stadt versperren die großen Häuser die Aussicht,
Verdecken den Horizont,
stoßen unseren Blick weit fort vom Himmel.
Machen uns klein, denn sie nehmen uns,
was unsere Augen uns geben können,
Und machen uns arm,
denn unser einziger Reichtum ist Sehen.

Fernando Pessoa

 

 

stranger in a strange land

Der Song, den ich gerade höre, trägt diesen Titel und ich stelle fest, genauso fühle ich mich auch immer öfter. Nachdem ich mich nun Stück für Stück immer mehr von der deutschen Medienlandschaft abschotte, weil ich die zumeist absolut verlogene Berichterstattung nicht mehr ertrage, wird mir die Welt die mich umgibt auch zunehmend unerträglicher. Da nutzt es auch nicht mehr viel ein Lächeln nach dem anderen in die Welt hinauszusenden. Viele Menschen sind frustriert von was auch immer und lassen ihren Ärger an irgendwem ab.

Heute war ich wohl an der Reihe. Nach einem anstrengenden Arbeitstag befand ich mich auf dem Heimweg in der bereits einsetzenden Dämmerung, als mich ein relativ junger Mensch anblubberte. Für nichts. Ich war so perplex, dass ich gar nichts erwidern konnte. Aber aus der wunderfeinen Tagtraumstimmung, in der ich mich gerade befand, wurde ich jäh herausgerissen.

Prachtexemplar

Was ist nur mit den Menschen und dieser Welt los? Irgendwas krankt hier gewaltig, wenn normale Kommunikation, dieses selbstverständliche Miteinander nicht mehr funktionieren. Wenn wir uns hier in der kleinen Welt schon gegenseitig das Leben schwermachen, wie soll dann globaler Frieden möglich sein?

Dieses Erlebnis hat mich getroffen, weil es so unvorbereitet quasi aus dem Nichts kam. Überraschungsangriff, ha! Jetzt heißt es für mich: weiterüben, dass mich solche Momente nicht jedes Mal völlig kalt erwischen und aus der Bahn werfen. Vor allen Dingen werde ich nicht aufhören, zu l i e b e n, freundlich zu sein, zu lächeln und Ringwellen zu erzeugen. Jetzt erst recht. Bämm!

 

Freundlichkeit in Worten schafft Vertrauen.
Freundlichkeit im Denken schafft Tiefe.
Freundlichkeit im Geben schafft Liebe.

Laotse

 

 

Verkriechen

Jetzt lässt es sich nicht mehr verbergen und der Herbst gibt sich auch gar keine Mühe, die Natur zieht sich endgültig in sich selbst zurück. Der Wind, der einmal mehr samt überschwappenden Wolken über das Gebirge scharf ins Land bläst, zerrt unbarmherzig an den Blättern, die die Bäume noch nicht losgelassen haben. Die meisten Felder befinden sich bereits im Überwinterungsmodus, die Apfelbäume, um deren Früchte sich niemand kümmerte, werfen beleidigt einen Apfel nach dem anderen auf den kalten Boden und am See stürzen sich gefühlte 10000 Mücken in einer Fortpflanzungpanik vor dem nahenden Winter auf jedes halbwegs durchblutete Wesen.

Vollherbst

Ich habe mich nicht aufhalten lassen, alles ist gut, solange es nicht regnet. Zumindest für das Fahrradfahren gilt das bei mir. Also los, der Schweinehund will besiegt sein und die Lungenflügel drängen auf ihre Portion kalter Herbstluft. Das Gefühl danach ist mir stets der beste Antrieb sich über 25 Kilometer zu quälen.

Schafe und ein Kind

Unterwegs gibt es immer etwas zu sehen, am Himmel, am Boden und dazwischen auch. Der kleine Junge, der diese Schafherde eskortierte ließ mich innerlich quieken. Er war so ein Draußenkind mit roten Wangen von der frischen Herbstluft. Als er mich wahrnahm, schaute er mich an, als käme ich direkt aus einer anderen Galaxie. Aber als ich ihm gedanklich meine Hand reichte und ihm ein Lächeln schickte, lächelte er zurück und als ich weiterfuhr, hob er sogar seine kleine Hand und winkte mir zu. Seine Mutter weiter vorn lächelte auch.

Am See

Überhaupt war heute ein Tag voller lächelnder Menschen. Mir macht es mittlerweile so viel Spaß, den Menschen ein Lächeln aus tiefstem Herzen zu schenken. Ich genieße den Moment, wenn sich bei meinem Gegenüber die mitunter angespannten Gesichtszüge lockern und ein verstohlenes Lächeln zu Tage tritt. Es ist mir jedes Mal ein Vergnügen.

Engel

Begleitet wurde ich wie immer von meinem Engel mit seinen Freunden. In letzter Zeit zeigt er sich auffallend oft, dabei weiß ich längst, dass er immer bei mir ist, der Gute. Ich sah ihn sogar noch am Himmel, als ich mir ein heißes Bad eingelassen hatte und das warme Wasser den Muskeln Entspannung schenkte.

Ich denke, nun kann ich mich wieder ins Arbeitsleben stürzen, nachdem ich bestens abgeschalten habe und gut erholt bin. Dieses Jahr lebt keine zwei Monate mehr und ich bin schon jetzt so aufgeregt und hibbelig auf das kommende Jahr gespannt. Egal, was passiert, alles wird gut.

 

Wenn ihr wirklich lernt, lernt ihr während eures ganzen Lebens, und dann gibt es keinen speziellen Lehrer, von dem man lernt. Dann lehrt euch alles – ein totes Blatt, ein fliegender Vogel, ein Duft, eine Träne, der Reiche und der Arme, die Weinenden, das Lächeln einer Frau, der Hochmut eines Mannes, ihr lernt von allem, und deshalb gibt es keinen Führer, keinen Philosophen, keinen Guru mehr.

Krishnamurti

 

 

Befreiungsschlag

Ich glaube, so befreiend wie dieser Urlaub war noch keiner zuvor und dazu musste ich nicht einmal verreisen. Ich habe mich hier vor Ort befreit, mental und auch im wahrsten Sinne des Wortes. Manchmal brauche ich das und gerade jetzt im Herbst, wo wir uns in uns selbst zurückziehen, wo alles ein bisschen stirbt und vergeht, um im Frühling kraftvoll von Neuem zu erblühen.

Vor Jahren las ich ein Buch, in dem mich extrem wiederfand. Eigentlich habe ich genau danach schon immer gelebt. Unbewusst natürlich. Beim Lesen der Lektüre hatte ich diverse Aha-Erlebnisse, mit einer Erklärung von außen verstehen sich manche Dinge im Selbstlauf.

Nun hatte ich in dieser Woche endlich einmal wieder viel Zeit, allerlei Dinge in Ruhe und ohne Alltagshetzerei zu erledigen. Welch Wohltat, ich habe das so sehr genossen. Und dann hat mich so dermaßen der Elan gepackt, wohl auch dem herrlichen Wetter geschuldet, ich musste mich befreien. Von Dingen, die niemand mehr braucht, keiner mehr benutzt hat und die auch niemand vermissen wird. In Umzugskisten gerechnet kommen sicher fünf oder sechs rappelvolle zusammen. Ein Teil wurde der Weiternutzung zugeführt, der Rest landete mit Pfeffer im Müll. Be-frei-end.

Frieden

Und so wie ich schon immer Dinge gut loslassen konnte, weil ich weiß, der Mensch braucht nicht wirklich viel zum Leben, so lerne ich Schritt für Schritt auch das generelle Seinlassen, Menschen und Erwartungen betreffend. Diese Woche stellte den perfekten Übungsparcour dar und ich durfte feststellen, wie sich all die kleinen Trainingseinheiten irgendwann doch auszahlen.

Ich lasse dich sein.
Von dir erwarte ich gar nichts. Sei, wie du sein willst, das ist dein gutes Recht.
Ich lasse die Dinge sein.
Wenn die Zeit gekommen ist, fügen sich alle Puzzleteilchen sowieso ineinander.
Mit Geduld (und ohne Spucke!) nähere ich mich meinem Ziel ganz langsam an. Ich fühle die tiefe Gelassenheit und Ruhe immer öfter und das führt zu unsagbar tiefem Seelchenfrieden.

Urlaubsfazit: Ich bin ganz schön gut, hell ya!
 

Die Menschen sind mit der Materie verhaftet, die eiskalt ist wie der Schnee. Ich aber suche die Flamme der Liebe, um sie an meine Brust zu drücken, damit sie meine Rippen verzehre und mein Inneres befreie, denn ich habe erfahren, dass die Materie den Menschen tötet, ohne dass er Schmerzen empfindet, während die Liebe ihn unter Schmerzen lebendig macht.

Khalil Gibran

 

 

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