l’hirondelle

Gerade habe ich meinen Platz auf dem Balkon verlassen, weil jetzt die Zeit der Plagegeister beginnt. Derer, die mich vampiresk aussaugen wollen, während ich mich dann über Tage hinweg überall kratze wie ein wandelnder Flohzirkus.

Gerade noch saß ich nach einer Einheit Yoga und Körperstärkung mit einer Tasse Golden Milk draußen und habe all meinen tierischen Lieblingen zugeschaut. Zuerst den Hummeln und Bienen, die auch abends noch eifrig in den Lavendel hineinköpfen. Ich sah allerlei große und kleine Flattertierchen auf dem Heimweg, vor dem Balkon ging es ein bisschen zu wie bei der Rush Hour einer mittelgroßen Stadt.

Am meisten Freude habe ich an den Schwalben. Sie sind so lebensfroh und ständig in Bewegung. Sie lassen sich treiben und vollführen am Himmel grazile Kunststücke. Ihnen könnte ich stundenlang zusehen. Mal fliegen sie allein, dann mit Partner und abends vor dem Zubettgehen findet ein Formationsflug statt, bei dem, der Lautstärke nach zu urteilen, der vergangene Tag ausgewertet wird. Eine tägliche Betriebsversammlung sozusagen.

Mit den Schwalben fühle ich mich so enorm verbunden, sie machen mein kleines Herz sehr froh und ihre Anwesenheit ist stets Balsam für mein Seelchen. Schwalben waren in jedem Sommer meines Lebens an meiner Seite. Mit meiner Geburt hatten sie ihre Sommerresidenz in unserem kleinen Dörfchen bezogen und begleiteten fortan jeden meiner kleinen und später immer größer werdenden Schritte. Zu einem Dorf gehören Schwalben einfach dazu, sie durchfliegen jeden Kuhstall wie kleine Kamikaze-Flieger und nisten an den unmöglichsten Plätzen. Übrigens leben in den Fragmenten meines kleinen Dörfchens bis heute Schwalben, ich habe sie gesehen, als ich kürzlich dort war.

Die Schwalbe ist mein Krafttier und ich will mich ihrer erinnern, wenn irgendwann meine Kräfte schwinden sollten. Mit einem Lächeln auf den Lippen lege ich mich gleich zur Ruh und lasse meine Gedanken und Träume fliegen wie eine Schwalbe … Glücksmomente.

 

Schwalben

Schwalben, durch den Abend treibend,
leise rufend, hin und wieder,
kurze rasche Bogen schreibend,
goldne Schimmer im Gefieder -.

Oh, wie möcht’ ich dir sie zeigen,
diese sonnenroten Rücken!
Und der götterleichte Reigen
müsste dich wie mich entzücken.

Christian Morgenstern

 

 

Uuuuurlaub!

Bitte sehen Sie es mir nach, dass ich hier in letzter Zeit die Zügel schleifen ließ. Die vergangenen Tage hatten allesamt zu wenig Stunden und ich war so extrem ruhebedürftig, dass hintenraus für den Blog die Zeit fehlte. Dafür gibt es ein paar Bilder.

Julimorgen

Plötzlich sind die Sommerferien da. Wieder ist ein Schuljahr Geschichte und das neue schaut schon verstohlen ums Eck. Gute Güte, die Zeit rennt, mein Teenager wächst unaufhörlich und hat mich bald eingeholt. Ich suche nach wie vor nach einem probaten Gegenmittel für die nicht enden wollende Flitzezeit. Der neue (alte) Job brachte einen neuen Rhythmus in mein Leben, der auch dafür sorgt, dass an einer Arbeitswoche eigentlich nichts mehr dran ist. Entschleunigung wäre mal ne Maßnahme.

Frau Hummelpummel

Wie in jedem Jahr zu dieser Zeit, möchte ich diesen herrlich warmen Sommer gern festhalten. Ich liebe es so, lockerluftig gekleidet sein zu dürfen. Der Lavendel auf Balkonien ist bevölkert von Bienen, Hummeln und Schmetterlingen. Ich lebe beinahe ausschließlich von Sommersonnenfrüchten. Ich friere nicht, was ja den Knaller schlechthin darstellt. Und ich schlafe jede Nacht bei weit geöffnetem Fenster mit direktem Blick ins Sternenzelt. Himmel, ist das eine Pracht. Also von mir aus kann der Sommer ewig dauern, ich liebe ihn, ich bin ein Sommermädchen.

Füße hoch, Urlaub!

In diesem Jahr beginnt mein Urlaub zeitig, nämlich jetzt. Und endet nach zwei Wochen auch schon wieder. Das allgemeine Tohubawohu lässt nichts anderes zu und die nächsten Abrechnungsmodalitäten wollen auch erledigt werden. Aber alles ist gut, ich freue mich auch über zwei freie Wochen sehr und habe zur Feier des Tages direkt ein kleines Nachmittagsschläfchen gehalten. Ich habe es wohl bitter nötig.

Ich werde die freien Tage nach Leibeskräften genießen und mich einfach durch den Sommer treiben lassen … Das fühlt sich gerade sehr gut an. Hach.

 

Huschende Fledermäuse
Zum Trocknen aufgehängte Kleider
Schatten dunkler Wolken

Ikaku

 

 

Ich wache noch

le désir
 

Ich wache noch in später Nacht und sinne,
wie ich dir etwas Liebes sagen möchte,
daß ich dir einen Kranz von Worten flöchte,
daraus du würdest meiner Sehnsucht inne,

die mich nach deiner Gegenwart erfüllet,
als wär’ ich nur bei Dir gewahrt vor Sorgen,
als lebt’ ich nur in Deinem Blick geborgen,
dem teuren Blick, der mich in Liebe hüllet.

Christian Morgenstern

 
le désir
 

 

Geschichten aus dem Handkusshaus 11

Frau Fassbender fiel in ihrem früheren Leben durch ein gehobenes Dasein auf. Landläufig und kurz gesagt, sie war ziemlich etepetete. Ich weiß das, weil sie für einige Zeit mit einem Familienmitglied zusammengearbeitet hat, man wohnte im gleichen Ort, kannte sich, grüßte sich.

Vor zwei Jahren begann die letzte Karriere der Frau Fassbender. In unserem Haus fand sie sich immer wieder zu Kurzzeitpflegeaufenthalten ein. Die Demenz ergriff zunehmend von ihrer Person Besitz und ihr Mann, um einige Jahre älter als seine Frau und selbst mit nachlassender Gesundheit bedacht, war der Dauerbelastung nicht mehr gewachsen. Für lange Zeit versuchte er die Pflege seiner Frau ganz allein zu stemmen, auch finanziell. Irgendwann musste er allen Stolz loslassen und sich eingestehen, dass es so nicht geht. Bloß gut.

Vor ein paar Monaten hat Frau Fassbender ihren Hauptwohnsitz zu uns verlegt. Sie zog in keinem wirklich berauschenden Zustand bei uns ein, hat sich aber ziemlich schnell wieder berappelt und ist mittlerweile einfach nur zückersüß. Etepetete war einmal, heute fällt sie durch lautes Singen und kindlich entspannte Auftritte auf. Mich sortiert sie grundsätzlich ihrem Heimatort zu, der sich in Thüringen befindet und den ich noch nie besucht habe. Im Handkusshaus ist man alles für jeden. Mit einem Lächeln auf den Lippen.

Vor etwa zwei Wochen hat Frau Fassbender einen Narren an dem Namensschild neben ihrer Zimmertür gefressen. Seitdem ist das Schild immer wieder weg. Mal findet es eine Pflegekraft unter die Matratze gepfriemelt, mal stopft es sich Frau Fassbender hinten zwischen Po und Schlüpfer, so wie gestern. Ich habe nun schon mehrfach neue Namensschilder gedruckt, auch weil sie mittlerweile auch die Schilder anderer Bewohnerzimmer sehr spannend findet. Heute habe ich mit durchsichtigem Klebeband unsichtbare und hoffentlich wirksame Gegenmaßnahmen getroffen, ab übernächste Woche urlaube ich ein bisschen und bevor niemand mehr weiß, wer in welchem Zimmer wohnt …

 

Kniehang

Ich wollte, ich wär’ eine Fledermaus,
Eine ganz verluschte, verlauste,
Dann hing ich mich früh in ein Warenhaus
Und flederte nachts und mauste,
Daß es Herrn Silberstein grauste.
Denn Meterflaus, Fliedermus, Fledermaus -
(Es geht nicht mehr; mein Verstand läuft aus).

Joachim Ringelnatz

 

 

Mi aime jou

Julimorgen
 

Und wir werden zusammen schweigen –
und ich werde mein Haupt an dich legen –
und du wirst dein Haupt auf mich neigen –
und ich werde den Nacken bewegen
und deinen Lippen entgegenstreben
und Leben
von ihnen trinken
und ihnen spenden –
und wieder zurück dann sinken
und Brust nur und Wimper noch regen –
und dann werden wir wieder zusammen schweigen –
um dann aber das Schweigen zu enden –
und aber zu enden in Schweigen –
in ewigen Wenden.

Christian Morgenstern

 
Juliabend
 

 

C’est l’été

Das erste Wochenende im Juli war bestimmt von einem Firmenjubiläum, einem Trödeltag und 30 Kilometern auf dem Fahrrad. Ich lasse einfach Bilder sprechen …

Leibspeise im Sommer

Mikrofon

Jungfer in bleu

rosé

grün

Der Tropfen

lila

pink

Sommersonnenmittag im Juli

So ein Juli, so ein Sommer sind vor allem eins: bunt. Und ich liebe es. Frisches Obst und Gemüse, alles grünt und blüht, die Sonne wärmt und tut der Seele gut. Ich brauche nicht viel mehr zum Glücklichsein.

 

Der Mensch hält sein Schicksal für etwas Fremdes, weil ihm das innere Band verborgen ist. Aber die Seele enthält jedes Ereignis, das sie erleben wird, denn das Ereignis ist nur der Gedanke, der sich nach außen projiziert, und das, worum wir zu uns selbst beten, wird uns immer gewährt.

Ralph Waldo Emerson

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