La Chaleur

Das Essen wärmt sich leise schmurgelnd auf dem Herd.
Die Sorgen wollen sich auch wärmen. Leise. Und unaufgeregt.
Das Essen wärmt später auf, was die Sorgen auskühlen wollen.

november light

Ich zünde eine rosarote Kerze an. Für mich. Und dich.
Dort sind die Bäume, unter denen das Gold vergangener Tage schlummert.
Rio Reiser singt “Stiller Raum”. Für mich. Und ich sehe dich.

Dieser Tag lädt ein, mich hinzugeben. Ich bin längst nicht am Ziel.
Die Sehnsucht treibt mich weiter, auch wenn die Angst Mauern baut.
Der Tag möchte jetzt enden, die Wolken dehnen sich immer mehr aus.

Ich rolle mich ein und warte auf keine gute Fee. Ich bleibe allein.
Und das Leben geht immer weiter, es hört nicht auf, weil ich es will.
Ich lege das Schwere zu dem Gold unter den Bäumen, so werde es leicht.

So laufe ich weiter. Ich stolpere. Und verschütte den Tee.
Das Gold ist bekleckert. Der Lack ist ab. Na und?
 

Wenn die Liebe dir winkt, folge ihr,
sind ihre Wege auch schwer und steil.
Und wenn ihre Flügel dich umhüllen, gib dich ihr hin,
auch wenn das unterm Gefieder versteckte Schwert dich verwunden kann.
Und wenn sie zu dir spricht, glaube an sie,
auch wenn ihre Stimme deine Träume zerschmettern kann
wie der Nordwind den Garten verwüstet.

~ Khalil Gibran

 

 

Von Dämmerung zu Dämmerung

Ich verließ an diesem Tag im Morgengrauen das Haus und betrat es in der Dämmerung wieder. Zwischendrin ist sehr viel passiert. Also alles wie immer. Ein bisschen lasse ich Sie heute daran teilhaben, auch wenn ich Ihnen kein Bild mitbringe.

Ich bin morgens auf dem Weg zur Arbeit durch alle verfügbaren Goldlaubansammlungen geraschelt und habe dabei mit meinem Kind um die Wette gequiekt. Das Wetter zeigt sich in diesem November noch stark aurélchenfreundlich, da gibt es wirklich nichts zu meckern. Der gemeine November kann bekanntlich auch ganz anders, wenn er will.

Leider gab es an diesem Tag erneut Trouble an der Buddelkistenfront. Ich befürchte, manche Menschen brauchen es sehr, ständig irgendwem vor den Karren zu fahren. Warum? Es verleiht ihnen wohl einen Hauch von Macht. Es sei ihnen gegönnt. Ich brauche eigentlich keine Entscheidungsstützen mehr, aber nun …

Dieser Mittwoch war aber auch durchzogen von etlichen angenehmen Gesprächen mit lieben älteren aber auch jüngeren Menschen. Ich mag den Austausch mit Menschen jedweder Coleur, ich höre gern zu, ich helfe gern und sende mein Lächeln in die Welt. Mir macht das Freude und wird meistens dankbar angenommen.

Durch mein mittlerweile schon jahrelanges Tun im Handkusshaus haben sich einige nette und mitunter hilfreiche Kontakte entwickelt. Heute gab es unerwartet Linderung für mein mittlerweile heftig verspanntes Schulterblatt. Huah, welch Wohltat, ich habe genossen und bin sehr dankbar.

Lustig war der wöchentliche Einkauf nach der Arbeit. Ich muss immer noch kichern. Zuerst hat mein Kind eine bereits liebevoll aufgebaute Weihnachtsdekoration über den Haufen gerannt. Dann brannte beim Verlassen des Marktes ein Mülleimer. Nicht, dass da jetzt bis auf den beschämt rot leuchtenden Kopf des Juniors ein Zusammenhang zu sehen wäre, aber ich bin immer noch kichernd in Feuerwehrmanier zur Marktleitung geflitzt und habe Meldung erstattet.

Es gibt so viele Menschen, die in so einer Situation zwar hinschauen und auch die Nase rümpfen, ansonsten aber einfach ihres Weges gehen. Hallo Menschen? Merkt ihr eigentlich auch noch irgendwas rund um eure Smartphone-Displays????

So war das also heute.
Ich habe geliebt. Ich habe gelacht. Ich bin glücklich.
Das ist alles, was zählt.

Jetzt ist Entspannung angesagt nach einem laaangen Tag.
Ich trinke Tee und gönne mir ein bisschen Schokolade.
Seelenstreichler.
 

Wer das Ziel kennt, kann entscheiden,
wer entscheidet, findet Ruhe,
wer Ruhe findet, ist sicher,
wer sicher ist, kann überlegen,
wer überlegt, kann verbessern.

Konfuzius

 

 

Und plötzlich ist alles ganz leicht

Ich sah die Welle kommen. Sie kam haushoch und tosend auf mich zu. Normalerweise wäre ich vor Angst einen Schritt zurückgewichen, führt diese Welle doch gern Schmerz und Pein in ihrem Gewoge mit sich. Es käme allerdings einem Verrat an all meinen eigenen ungeschriebenen Grundgesetzen gleich, würde ich mich in Sicherheit bringen. Konfrontation wird vorausgesetzt. Und wenn du wieder fällst. Und wenn du wieder Qualen erfährst. Bleib einfach stehen.

Freiheit

Und dann ist der Moment da, ich öffne die Tür. Ich denke nicht mehr nach, ich atme ganz ruhig, nur mein Herz bubbelt ein bisschen wilder als sonst in seinem Körbchen herum. Das erste Aufeinandertreffen beruhigt mein Seelchen, das vor Neugier aus der Haut fahren möchte, ungemein. Ich schließe meine Augen und lasse mich einfach fallen. Wärme umfängt mich, Vertrauen macht sich breit, ich fühle mich wie auf tausend flauschig weiche Tücher gebettet. Und tauche ab.

Sechzig Stunden später tauche ich wieder auf. Runderneuert. Vollgepackt mit einem Kaleidoskop aus Gefühlen, befreit von dem Ballast etlicher Jahre und Erfahrungen. Und plötzlich ist alles ganz einfach. Seinlassen, gelassen bleiben, mutig und hoffnungsfroh sein. Ich blicke meinem Schicksal in sein schönstes Antlitz und stehe selbst in dem Licht, von dem bislang immer nur wenige andere Menschen umgeben waren.

Ich habe mich in diesen sechzig Stunden einer Metamorphose unterzogen. Nichts ist mehr wie vorher. Meine Sicht auf die Dinge hat sich verändert. Die Ängste sind eingedämmt. Ich bin durchzogen von Liebe. Und obwohl mich noch immer die gleiche Frau morgens im Spiegel anschaut, ich bin nicht mehr die, die ich mal war. Ich sehe mich und ich bin wunderschön. Die Schultern gerade, der Blick aus den braunen Augen gefestigt, die Lippen umspielt ein leichtes Lächeln. Bämm! Jetzt l(i)ebe ich. Endlich.

 

Lieben ist … ein erhabener Anlaß für den einzelnen, zu reifen, in sich etwas zu werden, Welt zu werden für sich um eines anderen willen, es ist ein großer unbescheidener Anspruch an ihn, etwas, was ihn auserwählt und zu Weitem beruft.

Rainer Maria Rilke

 

 

Finden ohne Suchen

Ich habe schon Pilze gesucht. Und keine gefunden. Weil ich den Pilz vor lauter Wald nicht sehe.
Ich habe die Liebe gesucht. Und keine gefunden. Weil ich die Augen vor mir selbst verschloss.
Ich habe zig Mal einen Job gesucht. Und tatsächlich einen gefunden.
Aber ich habe noch nie nach einem Freund gesucht. Keinen engen und schon gar keinen besten Freund.

Meine allerbeste Freundin trat mit einem Paukenschlag in mein Leben. Heute kann ich darüber nur noch lachen, damals habe ich getobt wie ein Sturm im Wasserglas. Aber nur kurz, ich kann so ein Level bekanntlich nicht sehr lange halten. Ich liebe diese Frau, die mir nun schon zehn Jahre unumwundene Treue hält, die mit mir durch tiefe Täler gelaufen ist, mit der ich so viel gelacht und manchmal auch geweint habe. Wir sind einander absolut loyale Kameraden, wir sind immer füreinander da, wir spüren uns auch über die dreihundert Kilometer, die zwischen uns liegen, ganz arg.

Traumkugel

Da sind auch noch einige andere Menschen, die mir viel bedeuten. Meine Lieblingskollegin beispielsweise, die mir von ihrem Urlaub heute ein Mitbringsel auf den Tisch stellte. Eine Traumkugel. Weil sie weiß, wie ich ticke, weil wir uns vom ersten Tag unserer Zusammenarbeit liebhaben, weil wir auf einer Wellenlänge surfen. Da sind aber auch Menschen, die ich weder oft kontaktiere noch treffen kann, weil Zeit und Raum dies einfach nicht zulassen. Aber wenn wir uns sehen, steht die Zeit dazwischen niemals wie eine Mauer zwischen uns, wir machen einfach dort weiter, wo wir einst aufgehört haben.

Und dann plötzlich ohne jedwedes Suchen und Findenwollen betrat ein weiterer und vor allem sehr besonderer Mensch mein Leben. Er war schon länger da, ein loyaler Mensch, ein treuer Gefährte, der jetzt quasi über Nacht nach viel Austausch, Loslassen und Offenbarung mein allerbester Freund wurde. Ich bin unglaublich dankbar, dass ich das erleben darf, dass ich so dermaßen reich beschenkt werde. Er ist nicht nur ein Freund für mich, nein, vor ihm darf ich voll und ganz ich selbst sein. Ich muss mich nicht verstellen, ich darf über alles sprechen, ich darf weinen, lachen und Unsinn mit ihm machen. Das rührt mich gerade sehr an.

Was ist das nur für ein Jahr? Ohne Worte.
Ich danke dir so sehr, du wunderbares Wesen.
Du bist unglaublich. Ich aber auch.
Ich liebe dich und besiege jeden Drachen. Für dich.
 

Wenn du bei deinem Freunde und bei dir selber, anderswo als in dir und anderswo als in ihm, die gemeinsame Wurzel suchst, wenn es für euch beide einen göttlichen Knoten gibt, der sich aus der Zusammenhanglosigkeit der Baustoffe ablesen läßt und die Dinge verknüpft, so gibt es keine Entfernung und keine Zeit, die euch trennen könnte, denn jene Götter, auf die sich eure Einheit gründet, spotten aller Mauern und Meere.

Antoine de Saint-Exupéry

 

 

So weit weg und doch so nah

Manchmal geschehen Dinge, die in keiner Rationalität dieser Welt eine Erklärung finden können und wollen. Manchmal genügt es einfach nur, den Dingen ihren Lauf zu lassen, sich nicht zu wehren mit Verstand und dieser Rationalität. Manchmal geschehen diese Dinge in meinem Leben. Und immer, wirklich immer lassen sie mich sprachlos, dankbar und demütig zurück. Mit einer gewaltigen Lernaufgabe. Amor fati, do you remember?

Ruhe

Ich war dann mal weg, obwohl ich das Haus gar nicht verlassen habe.
Kein Facebook, keine Mails, keine Nachrichten, einfach weg.
Von allem und jedem, abgekoppelt von dem Getöse der Welt.
Ich habe genau das gebraucht. Und wie.
Mein Leben war in letzter Zeit immer zu laut, zu hektisch, da war von allem zu viel und mein Körper schickte ein Zeichen nach dem anderen.

Rose

Komm runter, finde die Stille, lausche der Ruhe, spüre dein höheres Selbst endlich wieder, nachdem du es so lange auf dem Dachboden deiner Seele vor dir selbst versteckt hast. Keine Masken, kein Verstecken mehr, schau in den Spiegel und sieh genau hin. Was siehst du? Bist du nicht wunderschön mit all deiner Liebe und Verletzlichkeit? Bist du es nicht wert, dich zu lieben, geliebt zu werden? Halte deinem eigenen kritischen Blick stand und du findest nur eine Antwort. DU bist das Beste, was DIR passieren konnte. Du bist ein wunderbarer Mensch, du bist gesegnet, du bist behütet, du lebst die Leidenschaft, du bist deine eigene Göttin. Nimm dir die Zeit und schau nicht weg, dann siehst du, was ich sehe.

Ich habe mich wiedergefunden an diesem Wochenende.
Ich habe gelacht.
Ich habe geweint.
Ich habe gesehen, wer ich wirklich bin.
Und ich bin eine wahnsinnig tolle Frau.
Du hast so verdammt recht.
Ich danke dir, Lieblingsspiegel.

Ich danke dir, dass du an mich glaubst, mich trägst und groß machst, wenn ich in der Bedeutungslosigkeit verschwinden möchte. Es war eine der besten Entscheidungen seit langem, meine Augen zu öffnen, mich nackt zu machen und mich mit deiner Reflektion zu betrachten. Ich sah nur Schönheit, Liebe, Leidenschaft und so viel Tiefe.

Für dieses Jahr ist dieses Empfinden eigentlich nur eine Art Krönung. Ab jetzt darf ich endlich mein wahres Potenzial entfalten. Ich danke allen, die mich auf dem Weg bis hierhin begleitet haben, in jedweder Hinsicht. Jeder von euch hatte seinen Sinn in meinem Sein, ich unterscheide längst nicht mehr zwischen positiv und negativ, denn alles ist gut, alles macht mich zu dem, was ich jetzt bin. Ich.

Hallo Leben, du fühlst dich so gut an!
 

Amor Fati.
“Love Your Fate”, which is in fact your life.

Friedrich Nietzsche

 

 

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