Aufstehen, hinfallen, aufstehen, hinfallen, …

Mein Leben wäre nicht mein Leben, würde es nicht stets und ständig drunter und drüber gehen. Ich würde ja direkt etwas vermissen ohne dem Gefühlskarussell, das nicht müde wird, wie ne besenkte Wildsau rauf und runter zu brettern. So war ich vor ein paar Tagen noch froh und dankbar, dass ich mich wieder einigermaßen berappelt hatte, was jedes Mal einem Kraftakt gleichkommt, schon geschieht gestern etwas, das mich zunächst völlig aus der Bahn geworfen hat.

Ranunkel

Ich habe im Laufe des Tages so viel geweint, dass meine Augen abends brannten wie Feuer. Es ist mir den ganzen Tag über nicht gelungen, auch nur ansatzweise Ruhe in mich zu bringen. Das haben erst abends meine Herzmenschen vollbracht. Empathische Menschen spüren sofort, wenn es mir nicht gut geht, auch durchs Telefon und dann bin ich baff, wenn meine Lieblingskollegin nach der Arbeit zum Telefon greift, um mich wieder aufzubauen. Überhaupt, immer ist einer der Herzmenschen sofort zur Stelle und legt sich mit seinem Handeln wie ein Schutzschild um mein Seelchen. Ich bin davon überzeugt, ihr wisst gar nicht, welch großartige Leistung ihr vollbringt. Ihr seid meine Helden, ich habe euch in meinem Herzen und nichts und niemand kann euch diesen Platz streitig machen. Ihr gehört nämlich genau dorthin.

Und so ging es mir heute schon etwas besser, ich habe im Schlaf ein bisschen Ruhe gefunden und auch wenn jetzt alles ein bisschen schwerfällt, wenn ich mich an gewissen Orten ziemlich unbehaglich fühle, so bin ich doch getragen von der Liebe der Menschen in meinem Herzen. Das wiederum fühlt sich so gewaltig an, dass mir eine Perle aus dem Auge rinnt… Ein Glücksmoment. Ohne Wenn und Aber.

 

Vielleicht sind alle Drachen unseres Lebens Prinzessinnen, die nur darauf warten uns einmal schön und mutig zu sehen. Vielleicht ist alles Schreckliche im Grunde das Hilflose, das von uns Hilfe will.

Rainer Maria Rilke

 

 

Durchs Tal auf den Berg hinauf

Man kann definitiv auch mit viel zu wenig Schlaf in eine neue Woche starten. Das funktioniert, können Sie mir glauben. Genauso kann ich Ihnen versichern, dass man mit so einem Start durchaus zu einer famosen Form auflaufen kann. Ich dachte mir, ich teste das mal für Sie, großzügig wie ich bin.

for girls only

Zuerst gab es ganz viel Himmel für Mädchen wie mich. Nun ließen sich noch Überlegungen anstellen, wer für den leichten Kopfhagel verantwortlich zeichnet, der sich mit dem Aufstehen und danach stündlich zunehmend in meinem Schädel ausweitete. Heute stand mir nicht der Sinn nach Schmerz-Experimenten, zack!, eine Ibu rein und Ruhe im Schiff.

Immer geht die Sonne auf. Immer.

Im Büro angekommen durfte ich zuerst meinen Mitinsassen äh Zimmerkollegen nach mehrwöchigem Krankenstand wieder in unserem Miniteam begrüßen. Ausgezeichnet. Ich mag es, wenn der IT-Mensch nur zwei Meter entfernt immer zu meiner Verfügung steht. Giggel. Es ist einfach praktisch, weil bei meinem Sprung ins kalte Wasser immer mal wieder Fragen und Probleme auftauchen, die er meistens direkt beantworten respektive abstellen kann.

Ansonsten galt, weiter im Text, auch der dritte Part will abgerechnet sein. Alles lief wie am Schnürchen, sogar reisefertig ist das Ergebnis schon. Morgen folgt der übliche Formularkram, der jeder Abrechnung auf dem Fuß folgt und dann bin ich durch. Ich klopfe mir auf die Schulter, weil ich innerhalb von nur einer Woche alles erledigt habe. Ich bin ganz schön gut. Das kann ich mir selbst nicht oft genug sagen und vor allem m e r k e n!

Auch wenn es morgen mit dem Wetter vorerst bergab geht, ich bin guter Dinge und freue mich auf alles, was jetzt kommt. Acht Tage arbeiten z.b. und danach zehn freie Tage genießen. Das Finale meiner laaaangen Fastenzeit, die ich nicht so wirklich beenden werde, aber ein Stück Schoki muss ich mir am Ostersonntag einfach einverleiben. Oder die Tatsache, dass in sieben Wochen und sechs Tagen ein enorm anstrengender Lebensabschnitt endlich endet. Huiiii, ich freue mich so!! Heute war ein wunderbarer Tag, da war so viel für mein Seelchen und vor allem für mein Herz dabei…

 

Carpe diem, hat einmal jemand gesagt. Das heißt auf Deutsch: Freue dich, solange du gesund bist, ob das nun mit Sechseläuten und Jaß, oder Tanz und Fastnacht, oder Reisen und Toiletten, oder Rosen und Kamelien geschieht, einerlei; das muß jeder selber am besten wissen. Aber wer im Frühling darüber jammert, daß später der Herbst kommt, oder von einem schönen Mädchen ächzt, daß sie einmal Großmutter wird, oder von einem hübschen Gärtchen jeremiaut, daß es möglicherweise einmal erfriert, der ist ein Schwachmatikus.

Carl Spitteler

 

 

Das geht auch besser

In Sachen Abschalten habe ich mir zwar redlich Mühe gegeben an diesem Wochenende, aber irgendwie habe ich doch ziemlich versagt. Ausschlafen hat leider so gar nicht funktioniert und mental habe ich mir einmal mehr selbst im Weg gestanden. Heute musste ich mich regelrecht zwingen, das Fahrrad aus dem Keller zu holen und mich auf den Weg zu machen.

Weitsicht

Ich musste arg strampeln, um diesen Punkt zu erreichen. An Grenzen gehen, das hilft mir manchmal. Heute nicht.

Magnolie

Die Magnolien geben hier jetzt alles und blühen vielerorts nach Leibeskräften.

Am See

Ich habe meine Stadt einmal großräumig umrundet, habe mich verausgabt und wurde dennoch die Unruhe nicht los, die seit ein paar Tagen wieder in mir wohnt. Ich beschließe: Am kommenden Wochenende kriege ich das wieder besser hin!

 

Alle Unruhe im Menschen entspringt aus der Phantasie; denn selbst das Gewissen, wenn es auch seinen Stoff aus dem moralischen Sinne zieht, nimmt doch wenigstens seine Form aus ihr.

Franz Grillparzer

 

 

Adieu Arbeitswoche!

Da geht sie hin, die 14. Arbeitswoche des Jahres. Ich glaube, so schnell ist hier länger keine Woche mehr durchgebrettert. Momentan stört mich das allerdings nicht sonderlich, ich arbeite noch neun Tage und darf mich dann auf zehn freie Tage freuen. Und diesen Urlaub habe ich durchaus nötig.

Mein Arbeitspensum nimmt einfach nicht mehr ab, es wird stattdessem irgendwie immer mehr. Ich habe es bereits am Mittwoch geahnt, die Monatsabrechnung für das Handkusshaus obliegt nun auch meiner Verantwortung. Hurra. Eigentlich wollte ich mich ab Montag wieder meinem eigentlichen Aufgabenbereich widmen. Okay, dann eben nicht. Der Wille ist da, aber die Abrechnung geht vor. Meine Buchhalterin meinte heute “Ohne dich wären wir momentan einfach nur aufgeschmissen.” Ich weiß, wobei mir dieser Status eigentlich gar nicht liegt. Das Augenmerk aller richtet sich plötzlich auf mich, ich rücke in den Fokus und bin lieber eine, die sich gaaanz weit hinter allen anderen verstecken möchte.

Ich weiß um die Beweggründe und dennoch ist mir die mitunter mangelnde Loyalität mancher Menschen ihrem Job gegenüber äußerst fremd. Ich finde an meiner Arbeit mehr Pros als Kontras, immer schon, seit zwei Jahren und sieben Monaten, um es genau zu sagen. Es ist nicht alles perfekt, das wird es vermutlich auch niemals sein, die Erwartung stelle ich aber an meine Arbeit auch gar nicht, ich fänd das nämlich ehrlich gesagt ziemlich unheimlich, huh. Würde ich aber eine enorme Unzufriedenheit bei meinem Tun entwickeln, würde ich meine Siebensachen packen und nach einem neuen Job Ausschau halten. Es haut mich schier von den Socken, wie oft, lange und permanent manche Menschen bei ihrem Arbeitgeber Krankenscheine vorlegen. Für mich ist das auch ein Signal für massive Unzufriedenheit. Aber wer soll daran etwas ändern, wenn nicht der Betreffende selbst? Und dann kommt die große Feigheit ins Spiel, denn was man hat, das weiß man, was man bekommt, eben nicht. Dann belasse ich lieber alles beim Alten und schlage mich mehr schlecht als recht durch. Och ne, das ist nicht so meine Vorstellung vom Leben.

Ich freue mich sehr, beinahe wie wahnsinnig, dass ich jetzt zwei Tage frei haben darf, die ich mit all meinen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zum Abschalten nutzen möchte. Am letzten Wochenende ist mir das hervorragend gelungen, ich bin zuversichtlich, dass ich aus den beiden kommenden Tagen auch das Beste herausholen werde. Das gibt Kraft und Nervenstärke für die Herausforderungen der neuen Woche. Beides habe ich bitter nötig.

 

Den Puls des eigenen Herzens fühlen.
Ruhe im Innern, Ruhe im Äußern.
Wieder Atem holen lernen, das ist es.

Christian Morgenstern

 

 

Ich steigere mich

Nachdem ich gestern Abend früher als sonst fertig wie ne Haubitze ins Bett und kurz danach in einen komatösen Schlaf, der bis zum Weckerklingeln andauerte, gefallen bin, begann der neue Tag mit viel zum Staunen und noch mehr für mein Herz.

Telephotographie

Ich bin mit meiner Arbeit gestern nicht fertiggeworden und habe diverse Papierstapel auf meinem und dem Nachbarschreibtisch liegen lassen müssen. Zum Glück bin ich momentan Alleinherrscherin im Büro und darf mich nach Lust und Laune ausbreiten. Ich brauche das, einfach um den Überblick nicht zu verlieren. Heute habe ich mich den Stapeln angenommen und Briefe auf den Weg gebracht. Und wieder atomisierte sich ein Arbeitstag einem Wimpernschlag gleich.

Telephotographie

Ich bin nach Hause geradelt, mit einem kleinen Umweg, dem Bewegungsdrang nachgebend und habe die obligatorische zweite Kanne Tee aufgebrüht. Ich fühle eine unglaubliche Energie in mir, Müdigkeit ist aktuell gar keine Thema, kalte Hände auch nicht, ich sitze den lieben langen Tag bei geöffnetem Fenster im Büro. Die Kehrseite davon ist, dass ich die fiesen Pollen ungefiltert serviert bekomme und mir die Augen auskratzen könnte. Vielleicht bringt der Regen, der mit viel Getöse am Abend vom Himmel schepperte, etwas Linderung. Geputzt habe ich wie ein Duracell-Hase, habe meinen stets und ständig hungrigen Teenager mit einem leckeren Abendessen verwöhnt und mich in meine Wohlfühlklamotten geworfen.

Heute fühle ich vor allem Stolz und davon ganz viel. Ich bin stolz auf mich selbst. Das fühlt sich so verdammt gut an, dieses Gefühl lässt mich schweben und gibt mir unsagbar viel Auftrieb.

Nur noch 59 Tage.
I think I spider.
 

Sinnend geh ich durch den Garten unsrer deutschen Politik.
Suppenkohl in allen Arten im Kompost der Republik.

Kurt Tucholsky

 

 

Follow

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 188 Followern an