Ein Ritual und wichtiger Bestandteil meiner Kindheit war der monatliche Besuch mit meiner Mutter bei der “Rolle”. Die Rolle war, mit den Augen eines Kindes betrachtet, ein knarzendes Monstrum aus Holz, dessen Existenzgrundlage das Glätten bestimmter Wäschestücke war. Vor allem Bettwäsche aus Leinen, Batist oder ganz glatter Baumwolle wurde gerollt, Leinen-Handtücher auch und Tischwäsche und, ganz wichtig, die Wäsche wurde nach dem Waschen mit Wäschestärke oder -steife behandelt. Man musste sich vor der Benutzung der Wäscherolle immer in eine Liste eintragen und zog dann mit der entsprechend frisch gewaschenen Wäsche auf dem Bollerwagen los. Die Funktionsweise einer solchen Rolle kann ich Ihnen leider nicht erklären (ich fand immerhin ein Bild), ich bin im Besitz einer mittelschweren Physikschwäche. Die Rolle war aus Holz und machte die Wäsche mit lautem Quietschen und Ächzen platt wie eine Briefmarke. Glauben Sie mir, ich hatte einen Heidenrespekt vor dieser Maschine.
Ich liebe Wäschestärke. Schon als Kind war es für mich das Größte, mich in ein frisch bezogenes Bett zu legen. Der Duft des gestärkten Bettbezuges und dieses Gefühl auf der Haut – ein herrliches Vergnügen. So kam ich ganz nebenbei bemerkt zum Quieken.
Wäscherollen sind irgendwie aus der Mode gekommen. Schade eigentlich.
Wäschestärke ist auch nicht mehr das, was sie einmal war. Seufz.
Aber ganz glatte Baumwollbettwäsche (kein Flanell oder Mako Satin!) sowie vererbte Tischdecken-Schätze stärke ich noch immer, um sie dann noch leicht feucht trockenzubügeln und mich beim nächsten Wäschewechsel wie ein (Tofu-)Schnitzel zu freuen.
Heute Vormittag habe ich gestärkte Bettwäsche gebügelt. Und was soll ich sagen? Wohlige Gefühle breiteten sich in mir aus. Da fehlte nur noch das knarzende Monstrum im Hintergrund, dazu ein spartinisch eingerichteter Raum und ich wäre glatt auf die Rolle gegangen. Ha.
Ich möchte sagen, daß ich immer noch im und vom Sonnenschein meiner Kindheit lebe.
Christian Morgenstern
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Was soll ich dazu sagen… <3
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manchmal denke ich letzterzeit über meine Kindheit nach um festzustellen das ich vieles in den letzten Jahren schön-redete, jetzt bin ich auf der Suche nachdem Sonnenschein der Kindheit..ach doch..das Samstäglich gebrachte Paarweckbrötchen das dann mit dem Bruder geteilt und mit Holundergelee aus Mutters Küche gefüllt wurde..das war klasse ehrlich..und bei uns gab es schon weiche-frottene Spannlagen..die liebe ich ..lGHEike
Ich habe so einige Dinge, die mir dermaßen ans Herz gewachsen sind, die mich immer zum Seufzen bringen, wenn ich daran denke….
Oh, Frau Sterntau, Sie haben Erinnerungen bei mir wach gerufen. Nicht, dass ich Wäschestärke mag, aber die “Rolle”. Bei uns im Dorf hatte Frau Köhler so eine. Man musste auch einen Termin machen und ich wusste, ganz genau, was man meinte, wenn es hieß, es ging zu Frau Köhler. Sie hat sie betrieben und man musste/durfte mithelfen und an die Wärme und den Dampf kann ich mich noch gut erinnern. Das ganze hatte auch einen schönen sozialen Aspekt im Dorfleben, wenn Frauen zusammen arbeiten und schwatzen konnten! Danke!
Irgendwie war so ein Dorfleben früher schon besonders.
Ich denke gern am mein Dorf zurück, sososo gern.
Die Rolle hieß bei uns Mangel. Meine Großmutter hatte sogar solch ein Teil zu Hause, jedoch habe ich es nie in Aktion erlebt.
Wobei eine Mangel, so glaube ich, technisch anders funktioniert als eine Rolle. Kann auch sein, ich irre mich.
Ich kenne es auch, dieses quietschende Holzmonstrum. Als Kind hat mich das schwer beeindruckt …
Schwer im wahrsten Sinne des Wortes
Bei uns heißt das auch Heißmangel. Mit meiner Mutter war ich da oft ,ich habe das Bild jetzt sogar grade vor mir . Der Dampf von dieser “Rolle” und der Geruch ist mir jetzt auf einmal ganz nah,obwohl das weit in der Vergangenheit liegt. Die Wäsche wurde gesammelt, Dischdecken, Bettwäsche, am Vorabend hat Mutter sie in der Küche eingesprenkelt mit Wasser…..
DANKE, dass Du mich daran mit Deinem Beitrag erinnert hast…..
Ich bügele keine Bettwäsche. Am liebsten hänge ich sie nass in die frische Luft und benutze sie, wenn sie trocken ist, das ist ein feiner Geruch….
So, jetzt wünsche ich einen schönen Abend
liebe Grüße,
Erika