Heute ist ein Tag, an dem es in mir ziemlich drunter und drüber geht. Da tobt ein Sturm, bloß gut, dass Innenwindmesser für Menschen noch nicht erfunden worden sind. Ich möchte an dieser Stelle nicht ins Detail gehen, das gehört nicht hierher, vielleicht verstehen Sie das. Aber ich kann Ihnen versichern, der Auslöser ist rein positiver Natur.

Damit gehen ein Feuerwerk an Gefühlen, einer Rückschau auf das eigene Leben und zitternde Hände einher. Schon abgefahren, von jetzt auf gleich etwas zu erfahren, worauf man keineswegs vorbereitet war. Ich habe deswegen das eine oder andere Tränchen verdrücken müssen.

Tränen der Erleichterung wohl auch.

In meinem Leben lief nie auch nur etwas so, wie ich es mir irgendwann ausgemalt hatte. Ich zog eine Niete nach der anderen und das riss mich in Welten, in die ich gar nicht wollte. Um mich herum war irgendwann alles grau, trostlos und vor allem hoffnungslos. Nein, an dieser Situation wird sich nichts ändern, wie auch? Ich sah das Licht am Ende des Tunnels nicht, da war nur Dunkelheit und allen, die mich aufbauen wollten, konnte ich 1:1 beweisen wie Recht ich hatte. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von Depressionen. Ich hatte davon ganz viel und eine mächtige Wolke der Tristesse um mich gewunden. Reinsteigern gehörte damals zu meiner Lieblingsbeschäftigung und Nachdenken, endloses Grübeln und endzeitliche Pläne schmieden. Darin war ich einsame Spitze.

Ich verlor den Glauben an mich selbst und habe mich gleich mitgenommen. Ich habe mir mit einer Küchenschere die Arme aufgeritzt, um sowas wie Leben zu spüren. Ich hing in einem gewaltigen Negativ-Gespinst und war dem Tod viel näher als dem Leben.

Ich bekam ein Medikament gegen die Depressionen verordnet. Geholfen hat es mir nicht, dafür krank gemacht, ich habe jede erdenkliche Nebenwirkung mitgenommen, während die Wirkung gänzlich ausblieb. Ich war bei Therapeuten. Einer meinte, er wäre der falsche für mich, einem anderen war mein “Fall” zu schwerwiegend, darum solle sich eine Klinik kümmern. Ich sah mir eine Klinik an. Dort ging es zu wie in einem Ferienlager für Erwachsene.

Ich wollte das alles nicht. Keine Tabletten mehr, ich habe sie entgegen ärztlichem Rat in Turbotempo ausgeschlichen. Keine Therapeuten mehr, keine Kliniken.
Geholfen habe ich mir schlussendlich selbst, ich habe das Leben in kleinen Schritten wiedergefunden. Deshalb liebe ich die Photographie, mit ihrer Hilfe und dem Blick durch den Sucher fand ich zurück. Es war nicht einfach, es gab zig Rückfälle und hat Jahre gedauert. Aber, ich will leben!

Mit den Augen von damals habe ich mich heute Lichtjahre nach vorn bewegt.
Geduld zahlt sich aus.
Die Dinge annehmen wie sie ins Leben schneien auch.
Und loslassen.
Danke, heute ist ein toller Tag.
 

Wir müssen unser Dasein so weit, als es irgend geht, annehmen.

Rainer Maria Rilke