Lyrik im Advent

Himmelslyrik
 

Kühl und hart ist der heutige Tag.
Die Wolken erstarren.
Die Winde sind zerrende Taue.
Die Menschen erstarren.
Die Schritte klingen metallen
Auf erzenen Steinen,
Und die Augen schauen
Weite weiße Seen.

In dem alten Städtchen stehn
Kleine helle Weihnachtshäuschen,
Ihre bunte Scheiben sehn
Auf das schneeverwehte Plätzchen.
Auf dem Mondlichtplatze geht
Still ein Mann im Schnee fürbaß,
Seinen großen Schatten weht
Der Wind die Häuschen hinauf.

Menschen, die über dunkle Brücken gehn,
vorüber an Heiligen
mit matten Lichtlein.

Wolken, die über grauen Himmel ziehn
vorüber an Kirchen
mit verdämmernden Türmen.
Einer, der an der Quaderbrüstung lehnt
und in das Abendwasser schaut,
die Hände auf alten Steinen.

~ Franz Kafka

 

 

Vorfrühling im Advent

Hier ist sowas wie Vorfrühling ausgebrochen. Ein ziemlich nasser und mitunter ziemlich windiger Vorfrühling. So habe ich am Morgen noch einen Jacken- und Schuhtausch vollzogen und bin etwas leichter bekleidet losgeradelt.

Die 19. Nuss

Ich habe es doch geahnt, im Büro erwartete mich ein großer Stapel Rechnungen. Klimperdiklimper, ich habe bis zum Feierabend alle in die Software gehämmert und bin dann während einer geschmeidigen Regenpause nach Hause geradelt. Und jetzt: Uuuurlaub! Unterbrochen nur von einem Montag, an dem ich mal ein paar Stündchen die Stellung halte. Das wird ein easy Tag werden, ich habe mich schon ein paar anderen Stellungshaltern zum gemeinsamen Frühstück verabredet.

Was ist das?!

Haben Sie eine Idee, was das sein könnte? Ein Walfisch, ja, gut erkannt. Ein Walfisch aus Holz. Uuuund …

Flaschenöffner

… ein Flaschenöffner. Ein Ergebnis der ersten beruflichen Orientierungswoche des Nachwuchses im Hause. Einen Teil verbrachte er im Bereich Verwaltung, den zweiten Teil im Bereich Holz. Beides hat ihm viel Freude gemacht. Noch strebt er eine Ausbildung im Holzhandwerk an, ich warte einfach ab, ob das in zwei Jahren auch noch der Fall ist. Seine erstes “Werkstück” hat er jedenfalls prima hingekriegt, ein Handschmeichler.

Ich bin sehr froh, dass ich diese Woche hinter mich gebracht habe, sie war eine harte Nuss. Ich bevorzuge die Adventsnüsse, leider nimmt deren Zahl täglich ab. Aber es gab auch, wie bereits berichtet, etliche Lichtblicke. In dieser Woche habe ich gleich zwei Mal gehört, wie gut ich abgenommen habe. Yeah, das pusht unsagbar, denn im Januar geht es weiter. Die letzte Etappe ruft, nicht mehr viel, dann bin ich an meinem Wohlfühlziel. Ich genieße jetzt aber erst einmal ein bisschen all den weihnachtlichen Mampfkram (und nehme trotzdem nicht mehr zu, La Ola!). Gleich zu Beginn der Woche bekam ich das Ergebnis für etwas, was ich in diesem Jahr zum ersten Mal in meinem Leben tat. Dieses Ergebnis hat mich selbst so sehr angerührt, dass ich es nicht ohne Pipi in den Augen auf mich wirken lassen konnte. Und da dieses Ergebnis einer breiten Masse an Menschen zugänglich ist, bekam ich völlig unerwartet ein besonderes Feedback einer mir zuvor gänzlich unbekannten Person. Mir sind beinahe die Augen aus dem Kopf gekullert, sowas hatte ich überhaupt nicht auf dem Plan.

Da kannst du müde und abgekämpft taumelnd durch die Tage streifen, die vielen lieben Menschen in meinem Sein lassen mich fliegen. Alter Falter. Ich bin gerade stolz, wie ich in diesem Jahr gewachsen bin, was ich alles erreicht habe und was ich alles hinter mir gelassen und für alle Zeit abgelegt habe. Fazit: Ich bin gut.

 

Dich wundert nicht des Sturmes Wucht, -
du hast ihn wachsen sehn; -
die Bäume flüchten. Ihre Flucht
schafft reitende Alleen.
Da weißt du, der, vor dem sie fliehn,
ist der, zu dem du gehst,
und deine Sinne singen ihn,
wenn du am Fenster stehst.

~ Rainer Maria Rilke

 

 

Alles geben auf den letzten Metern

Jetzt, wo ich die letzten Arbeitsstunden des Jahres beinahe an zwei Händen abzählen kann, wird es anstrengend. Während ich mental erstaunlich frisch und unbeschwert unterwegs bin, fühle ich mich körperlich wie eine Kartätsche. Ich habe Sehnsucht nach ganz viel Schluffidasein und träume davon, die Zeit zwischen den Jahren komplett im Schlafanzug zu verbringen. Ein Ding der Unmöglichkeit, einen Tag muss ich auch arbeiten. Aber davor und danach könnte ich schwach werden.

Die 18. Nuss

Die Adventsnuss am Morgen legt mir wieder mein Lieblingsthema ans Herz. Und dann habe ich mich auf den Weg gemacht, ins Handkusshaus, bepackt mit einigen Zutaten für das obligatorische letzte gemeinsame Frühstück im Jahr. Schön war das, gemütlich und relativ ruhig. Der Trubel ging erst danach los. So viele Menschen, Gesichter, Gespräche und Informationen, mir ist jetzt noch vollkommen trullerig im Kopf.

Mittendrin schmuggelte sich hastig eine der liebsten Bewohnerinnen im Handkusshaus in mein Büro. Die kleine, zarte Frau K., gezeichnet durch eine Krebserkrankung, ich glaube, sie ist nur halb so groß wie ich. Aber so ein Zuckerstück. Nicht jeder findet Zugang zu ihr, sie zeigt unverhohlen die kalte Schulter, wenn sie jemanden nicht leiden kann. Wir mögen uns vom ersten Tag an. Ich besuche sie, so oft ich die Möglichkeit dazu habe. Die kleine Frau hat keine Kinder, nur noch einen Bruder, der etwas weiter weg lebt. Jedenfalls überbrachte sie mir heute ein Geschenk mit den Worten: “Es geht nicht um die Blumen, es geht um die Vase (Lausitzer Glas, Made in GDR und ganz neu, also so neu wie etwas 25 Jahre nach Tag X eben sein kann) und Ihre Nerven! Vielen Dank für Ihre Hilfe.” Ich musste kurz in mich hineinkichern, dann habe ich sie gefragt, ob ich sie umärmeln darf und wir haben uns ganz lange gedrückt.

Geschenk

Als ich das Handkusshaus in der Dunkelheit wieder verließ, spürte ich, wie abgeschlagen und müde mein Körper nur noch funktioniert. Ein halber Tag noch mit vermutlich irre vielen Rechnungen, dann hüpfe ich in den Schlafanzug und tanke auf, was in diesem Knallerjahr abgezapft wurde. Ich freue mich so sehr auf die freien Tage.

 

Denn die Liebe wird dir nicht als Geschenk gegeben von dem Gesicht, das dir begegnet, und ebenso entsteht deine Heiterkeit nicht durch die Landschaft, sondern durch den Aufstieg, den du überwunden hast. Durch den Berg, den du bezwungen hast. Durch dein Fußfassen im Himmel.

~ Antoine de Saint-Exupéry

 

 

Ein genialer Tag

Hinter mir lag am Morgen eine Nacht ohne Unterbrechung, aber da ich ein mittelschweres Defizit mit mir herumtrage, plagt mich selbstredend noch massive Müdigkeit. Und Kopfschmerzen. Also alles wie immer hier an diesem Morgen im einundvierzigsten Advent meines Lebens. Nur das mit den Nüssen ist in diesem Jahr ganz neu. Und schön. Und herzbubbelig.

Die 15. Nuss

Ich nutze immer noch täglich mein Fahrrad. Deshalb mag ich es auch, dass es jetzt noch nicht kalt und glatt und eisig ist. Und ganz ehrlich, es darf sehr gern so bleiben. Rad fahre ich für mein Leben gern. Das liegt bestimmt nur daran, dass es mir meine damals schon weit über achtzig Jahre alte Urgroßmutter vor über 30 Jahren beigebracht hat. Ich hab dich im Herzen, meine Kleene.

Von gemächlicher Jahresendstimmung kann dienstlich nicht die Rede sein. Alle wollen alles am besten heute abgearbeitet wissen. Ich habe nur einen Kopf und zwei Hände zur Verfügung und alles, was ich nicht schaffe, bleibt liegen. Ganz einfach eigentlich. Dafür äußerst befreiend. Eine meiner Lektionen in diesem Jahr hat mich das gelehrt und einmal verinnerlicht, fällt mir das gar nicht mehr schwer. Mir ist egal, dass sich andere als Mata Hari der Firma produzieren, ich habe meine Lehren gezogen.

Zum Feierabend gab es noch einen herzlichen Drücker mit meiner Lieblingsbuchhalterin, ich werde sie in diesem Jahr nämlich nicht mehr sehen. Wir sind mittlerweile ein richtig gutes Team geworden und vor allem, wir vertrauen einander. Welch wunderbares Fazit zu Weihnachten.
Zuhause stand die zweite Schicht an, uäh. Ich habe mich gar nicht erst hingepflanzt, nicht mal für fünf Minuten, ich habe nur bequeme Klamotten angezogen und den Putzeimer aktiviert. Zur Belohnung gab es auch was für mein himmlisches Herzchen…

Dienstags im Advent

So gesehen war heute ein genialer Tag. Mein Sohn fühlt sich sehr wohl in seiner allerersten beruflichen Orientierungswoche, ich habe heute mit meinem IT-Kollegen kurz AC/DC im Büro gehört und zum Abendessen hatten wir so viel Spaß, dass dem Nachwuchs vor Lachen der Tee aus der Nase tröpfelte. Fetzt, alles. Darf so bleiben, alles.

Morgen: Handkusshaus. Und Vorfreude.
 

Der ist ein Narr, der sich an der Vergangenheit die Zähne ausbricht, denn sie ist ein Granitblock und hat sich vollendet. Bejahe den Tag, wie er dir geschenkt wird, statt dich am Unwiederbringlichen zu stoßen. Das Unwiederbringliche besitzt keinen Wert, denn es ist der Stempel, der allem Vergangenen aufgeprägt ist.

Antoine de Saint-Exupéry

 

 

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 201 Followern an