Warum ich nicht blogge

Nachdenklich beobachte ich seit geraumer Zeit die Bloggerwelt. Viele Menschen führen Blogs, mein Weg führt hin und wieder bei einigen von ihnen vorbei. Doch mich spricht kaum noch etwas an und so klicke ich weder auf den “Follow”-Button und like auch keine Beiträge, obwohl mir bewusst ist, dass sich diverse Blogger über diese Möglichkeit Besucher auf den Blog lotsen, die dann fleißig deren Beiträge liken.

Verrätergasse
 
Ich blogge nicht …

… um Aufmerksamkeit zu erringen. Dieser kleine Blog ist dazu da, meine Erinnerungen zu verwahren, hin und wieder laut zu denken, schwere und leichte Gedanken zu notieren. Ich schreibe hier eigentlich genau genommen nur für mich und muss niemandem gefallen.
… um Likes und Follower en masse zu generieren. Mir ist egal, ob irgendwer gut findet, was ich hier mache. Das interessiert mich nicht die Bohne. Ich freue mich, wenn sich jemand in meinen Worten, Gedanken und Bildern wiederfindet. Wenn nicht, ist mir das auch maximal egal.
… um ein Projekt nach dem anderen abzuarbeiten. Blogs, die sich hauptsächlich einem oder gleichzeitig mehreren Projekten verschrieben haben, klicke ich sofort wieder weg. Auch das ist für mich nichts anderes als eine ziemlich schnöde Art, Klicks zu generieren. Langweilig.
… um alle, die hier kommentieren und liken, zu besuchen und deren Blog dann mit der gleichen Aufmerksamkeit zu versehen. Ich muss gar nichts gut finden, auch nicht als Dank dafür, dass hier irgendwer irgendwas gut findet. Manche Leute klicken den Like-Button kaum zwei Minuten nach Veröffentlichung des Beitrages. Ohne Worte.

So und wer jetzt noch bleibt, hat verstanden, um was es mir geht.
Für alle anderen gilt: Have a nice day!
 

Sprechen- und Schreibenkönnen heißt freiwerden: zugegeben, dass nicht immer das Beste dabei herauskommt; aber es ist gut, dass es sichtbar wird, dass es Wort und Farbe findet.

Friedrich Wilhelm Nietzsche

 

 

Как я купила российский шоколад (Wie ich russische Schokolade kaufte)

Natürlich hatte ich während meiner Schulzeit russische Brieffreundschaften. Russisch als Sprache lag mir irgendwie, auch wenn ich einen Muttersprachler vermutlich nicht verstanden hätte, die reden bekanntlich so schnell wie eine Stalinorgel herumorgelt. Aber für den brieflichen Austausch waren meine Kenntnisse durchaus bestens geeignet.

Brieffreundschaften mit russischen Kindern waren der Einstieg in eine ferne, bunte Welt, denn die russischen Brieffreunde schrieben nicht einfach nur Briefe, falteten diese in einen Briefumschlag, klebte eine Briefmarke drauf und ab ging die Post. Neiiiiin, das wäre einem russischen Brieffreund viel zu schnöde. Meine Freunde hatten alle traumschöne Handschriften, die ich immer bewundert habe. Mir gelang es nie, die kyrillsche Schrift so verträumt und romantisch aufs Papier zu bringen. Das Beste war aber, dass meine Freunde keine Briefe, sondern halbe Briefpakete schickten. Ich bekam russische Pionier-Halstücher, Postkarten, Photos sowie buntes Bonbon- und Schokoladen-Papier geschickt. Ich liebte diesen kleinen stets bunten Einblick in das russische Leben sehr, so sehr, dass ich bis heute eine Schwäche für dieses Land habe. Natürlich mag ich nicht alles gutheißen, aber die aktuelle Situation, Russland medial zum ersten Schritt in einen Krieg zu provozieren, kotzt mich gelinde gesagt an. Ich bin für Frieden, das habe ich schon einmal hier geschrieben, daran hat sich nach wie vor nichts geändert.

Gestern habe ich jedenfalls Nägel mit Köpfen gemacht und habe den russischen Spezialitätenladen aufgesucht, den es an dieser Stelle schon seit etlichen Jahren gibt. Aber wie das immer so ist, Sie kennen das ja.
Dieser Laden ist … herrlich. Ein bisschen mutet er wie ein Wohnzimmer in den 1930er Jahren an, ich tippe, der nicht minder herrliche Betreiber des Ladens gibt dort den ein oder anderen russischen Abend. Der Mann ist locker sechzig Jahre alt und liebt dieses Land, das habe ich sofort gespürt. Vermutlich hätte ich seinen Ausführungen stundenlang auf einem der antiquierten Stühle lauschen können, die um den großen schweren Tisch herumstanden auf dem sich allerlei russische Schätze nur so türmten. Ich fragte ihn, was er mir empfehlen kann. Der erste Tipp war Wodka. Muah. Ja klar, irgendwie logisch. Ich bin ja nun jetzt nicht so das Wodka-Häschen, also zählte er sämtliche Lebensmittelkategorien auf, die er auf Lager hatte. Und zu allem wusste er etwas zu sagen. Unglaublich. Aber ich liebe solche Menschen, sie leben Leidenschaft, das macht sie mir sympathisch.

Русский шоколад

Entschieden habe ich mich für … Schokolade. Links im Bild das ist kasachische Schokolade, in den Nationalfarben des Landes gehalten und genauso müssen Sie sich Kasachstans künstlich hochgezogene Hauptstadt Astana vorstellen. Ich sah mal eine Reportage im Fernsehen, sehr beeindruckend, sehr pompös, deswegen auch irgendwie befremdlich. Rechts das ist echte russische Schokolade und der Verkäufer findet, sie muss sich hinter Schweizer Schokolade nicht verstecken, ich bin gespannt. Übrigens mag ich es sehr, Lebensmittel aus fremden Ländern zu probieren. Ich habe bei meinen wenigen Auslandsreisen auch immer Supermärkte besucht, da gibt es für mich so viel zu entdecken.

Ich bin froh, dass ich den Laden besucht habe, beinahe hätte ich mir ein Shirt mit Putin-Konterfei und seiner Unterschrift gekauft. Haha. Aber es reicht eigentlich, wenn man für den Wunsch nach Frieden und einer kritischen Betrachtung der allgemeinen Medienberichterstattung schon als “Putin-Versteher” bezeichnet wird. Beim nächsten Mal werde ich trotzdem eine Flasche Wodka kaufen. Ich glaube, manchmal braucht es selbigen und keine Schokolade. Und irgendwann werde ich das Land besuchen. Ich weiß es und freue mich darauf.

 

Man sieht oft etwas hundert Mal, tausend Mal,
ehe man es zum allerersten Mal wirklich sieht.

Christian Morgenstern

 

 

Allein, allein

Das Wetter heute war das Wetter von gestern, als es mich am Nachmittag für satte zwei Stunden auf der Couch einfach dahingerafft hatte. Bei diesem Nieselfieselnovembergrauwetter schickt man eigentlich niemanden vor die Tür, ich tat dies heute freiwillig. Ich bin zum ersten Mal seit eeeewig langer Zeit allein losgezogen. Dick angemummelt, nasse Kälte frisst sich rasend schnell durch die Kleidung. Im Gepäck hatte ich nur ein Fläschchen Grüntee, etwas Geld, die große Klickklackmadame und ein Päckchen Taschentücher für Herbsttriefnasen.

Ich habe Ihnen auch etwas mitgebracht, damit Sie sehen, was ich gesehen habe.

Fensterschmuck

Manchmal lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Es gibt so viel zu entdecken links und rechts in den Gassen.

 
Zimmer frei bei Engels

Das Licht war wirklich suboptimal, aber im November muss man eben mit allem rechnen.

 
Jüdenstraße

Alte, gebrechliche Häuser ziehen mich immer besonders an.
 
Petersilienschmuck

So ein tiefgrauer Novembertag leert alle Straßen, ein bisschen war die Stadt mein.

 
†

Ich habe mir viel Zeit genommen. Lesen, gucken, staunen.
 
Kirchenschnickeldi

In dieser Kirche ist es jetzt so sehr kalt, Sie glauben es nicht.
 
Selfie

Nach der Kirche war ich in einem gar mopsigen Café, saß vor dem Kamin, durfte seelenschmeichelnder Soulmusik lauschen und Milchkaffee schlürfen. Dort habe ich mich ganz wunderbar durch und durch aufgewärmt, um dann noch ein bisschen weiterzuziehen. Mitgebracht habe ich neben den Bildern auch Schokolade. Russische und kasachische. Und um ein Haar ein Shirt mit Putin-Konterfei, haha.

Leider ist heute auch wieder ein Herzschmerztag. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Mein Herz schmerzt, einfach so. Und trotzdem schlägt es immer weiter.

 

Sobald ein Gefühl gefühlt und vom Herzen angenommen ist, beherrscht es nicht mehr unser Handeln – oder jedenfalls mit der Zeit immer weniger. Das Paradoxe ist: Wenn wir ein Gefühl wirklich angenommen haben – ins Herz geschlossen – und ihm auch in der Folgezeit erlauben zu existieren, hört es auf, uns mit eisernem Griff zu umklammern, und obwohl es da ist und wir es fühlen, werden wir nach und nach frei von ihm.

Safi Nidiaye

 

 

La Chaleur

Das Essen wärmt sich leise schmurgelnd auf dem Herd.
Die Sorgen wollen sich auch wärmen. Leise. Und unaufgeregt.
Das Essen wärmt später auf, was die Sorgen auskühlen wollen.

november light

Ich zünde eine rosarote Kerze an. Für mich. Und dich.
Dort sind die Bäume, unter denen das Gold vergangener Tage schlummert.
Rio Reiser singt “Stiller Raum”. Für mich. Und ich sehe dich.

Dieser Tag lädt ein, mich hinzugeben. Ich bin längst nicht am Ziel.
Die Sehnsucht treibt mich weiter, auch wenn die Angst Mauern baut.
Der Tag möchte jetzt enden, die Wolken dehnen sich immer mehr aus.

Ich rolle mich ein und warte auf keine gute Fee. Ich bleibe allein.
Und das Leben geht immer weiter, es hört nicht auf, weil ich es will.
Ich lege das Schwere zu dem Gold unter den Bäumen, so werde es leicht.

So laufe ich weiter. Ich stolpere. Und verschütte den Tee.
Das Gold ist bekleckert. Der Lack ist ab. Na und?
 

Wenn die Liebe dir winkt, folge ihr,
sind ihre Wege auch schwer und steil.
Und wenn ihre Flügel dich umhüllen, gib dich ihr hin,
auch wenn das unterm Gefieder versteckte Schwert dich verwunden kann.
Und wenn sie zu dir spricht, glaube an sie,
auch wenn ihre Stimme deine Träume zerschmettern kann
wie der Nordwind den Garten verwüstet.

~ Khalil Gibran

 

 

Von Dämmerung zu Dämmerung

Ich verließ an diesem Tag im Morgengrauen das Haus und betrat es in der Dämmerung wieder. Zwischendrin ist sehr viel passiert. Also alles wie immer. Ein bisschen lasse ich Sie heute daran teilhaben, auch wenn ich Ihnen kein Bild mitbringe.

Ich bin morgens auf dem Weg zur Arbeit durch alle verfügbaren Goldlaubansammlungen geraschelt und habe dabei mit meinem Kind um die Wette gequiekt. Das Wetter zeigt sich in diesem November noch stark aurélchenfreundlich, da gibt es wirklich nichts zu meckern. Der gemeine November kann bekanntlich auch ganz anders, wenn er will.

Leider gab es an diesem Tag erneut Trouble an der Buddelkistenfront. Ich befürchte, manche Menschen brauchen es sehr, ständig irgendwem vor den Karren zu fahren. Warum? Es verleiht ihnen wohl einen Hauch von Macht. Es sei ihnen gegönnt. Ich brauche eigentlich keine Entscheidungsstützen mehr, aber nun …

Dieser Mittwoch war aber auch durchzogen von etlichen angenehmen Gesprächen mit lieben älteren aber auch jüngeren Menschen. Ich mag den Austausch mit Menschen jedweder Coleur, ich höre gern zu, ich helfe gern und sende mein Lächeln in die Welt. Mir macht das Freude und wird meistens dankbar angenommen.

Durch mein mittlerweile schon jahrelanges Tun im Handkusshaus haben sich einige nette und mitunter hilfreiche Kontakte entwickelt. Heute gab es unerwartet Linderung für mein mittlerweile heftig verspanntes Schulterblatt. Huah, welch Wohltat, ich habe genossen und bin sehr dankbar.

Lustig war der wöchentliche Einkauf nach der Arbeit. Ich muss immer noch kichern. Zuerst hat mein Kind eine bereits liebevoll aufgebaute Weihnachtsdekoration über den Haufen gerannt. Dann brannte beim Verlassen des Marktes ein Mülleimer. Nicht, dass da jetzt bis auf den beschämt rot leuchtenden Kopf des Juniors ein Zusammenhang zu sehen wäre, aber ich bin immer noch kichernd in Feuerwehrmanier zur Marktleitung geflitzt und habe Meldung erstattet.

Es gibt so viele Menschen, die in so einer Situation zwar hinschauen und auch die Nase rümpfen, ansonsten aber einfach ihres Weges gehen. Hallo Menschen? Merkt ihr eigentlich auch noch irgendwas rund um eure Smartphone-Displays????

So war das also heute.
Ich habe geliebt. Ich habe gelacht. Ich bin glücklich.
Das ist alles, was zählt.

Jetzt ist Entspannung angesagt nach einem laaangen Tag.
Ich trinke Tee und gönne mir ein bisschen Schokolade.
Seelenstreichler.
 

Wer das Ziel kennt, kann entscheiden,
wer entscheidet, findet Ruhe,
wer Ruhe findet, ist sicher,
wer sicher ist, kann überlegen,
wer überlegt, kann verbessern.

Konfuzius

 

 

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