Spätzünder

Ich so. In Sachen Urlaub. Ich brauche den ein oder anderen Tag, bis ich wirklich meinen Urlaub fühle, bis er tatsächlich in meinem Bewusstsein angekommen ist. Ich wäre dann mal soweit…. Haaach, fühlt sich das alles genial an gerade. Das Wetter ist Bombe, die Stimmung ist bonfortionös und der Frühling gibt alles.

Blühwölkchen

Duftbeschirmung

Pompom

Durchsicht

Gestern haben wir den halbjährlichen Termin zur Durchsicht beim Dentisten des Vertrauens wahrgenommen. Da sitzt alles, passt, wackelt nicht und hat Luft. Danach gabs Eis für den Teenager und den nächsten Termin für heute…

Nach der Schur

Ich habe mein Amt als Nachwuchsschurwolle-Beauftragte niedergelegt und lasse ab sofort die Profis ran, die können das nämlich viel besser. Ja, der einst so kleine Zwerg ist längst den Kinderschuhen und -klamotten entwachsen und eilt dem Erwachsenwerden entgegen. Unsagbar spannend, das zu beobachten und mitzuerleben.

Übrigens, ich denke nicht die Bohne an meine Arbeit, ich freue mich einfach nur über die bestens genutzten freien Tage und alles, was in den kommenden Tagen noch auf mich zurollt. Zum Quieken.

 

Mit zwanzig Jahren regiert der Wille,
mit dreißig Jahren der Verstand
und mit vierzig Jahren das Urteilsvermögen.

Benjamin Franklin

 

 

Leben ist wie Radfahren

Nein, heute ist nicht Sonntag, sondern schon Montag. Feiertagsbedingt gerät alles durcheinander und ich blicke des Öfteren zum Kalender. Zum Einnorden. Ich lebe wieder einmal ziemlich zeit- und ziellos vor mich hin. Gut zum Loskommen von dem Gewusel im Büro, sehr gut sogar. Ich habe mir wieder einen kindfreien Nachmittag geschaffen. Einen, den ich mir in letzter Zeit regelmäßig anberaume.

moi

Das Wetter zeigt sich ziemlich durchwachsen. Nach einem feinen Vormittag zogen ab dem Mittag graue Wolken auf, aus denen irgendwann fieser Nieselregen sprühte. Pfnahüh, so ein Wetter habe ich nicht bestellt. Na gut, ich warte einfach, es hört bestimmt wieder auf, derweil habe ich mich in meine Sportklamotten geworfen und tatsächlich, der Himmel hat sich wieder eingekriegt und die Flennerei eingestellt.

Mein Leben ist wie Radfahren. Das wurde mir heute bewusst, als ich die üblichen 15 Kilometer am Limit und auf dem Fahrrad zurückgelegt habe. Ich muss mich immer aufraffen, es gibt ja so viele Ausreden. ‘Man müsste…’, um direkt kunstvoll gefertigte Ausreden nachzuschieben. Mimimi, so wird das nichts. Anfangen ist angesagt.
Ich muss in meinem Leben und auf dem Fahrrad meinen eigenen Rhythmus finden. Ich übernehme weder den der Schnecke vor mir, noch den von Täve Schur, der mich natürlich hochprofessionell eingekleidet in der Pfeife raucht. Mein Rhythmus ist entscheidend und der monotone Sound meines Atems liefert die Titelmusik.
Ich klettere einen Anstieg nach oben. In meinem Tempo. Ich halte nicht an, ich steige nie aus dem Sattel, ich lache mir den Tunnelblick an und lasse mich wie von Geisterhand gezogen den Berg nach oben schieben. Oben angekommen quieke ich, weil ich mich freue, dass ich es heute noch besser als beim letzten Mal hinbekommen habe, während diverse Adrenalinwellen durch meinen Körper schießen. Ich lasse mir den Fahrtwind auf dem Weg nach unten ins Gesicht wehen und stelle einmal mehr fest, rauf geht es viel schwerer. It’s my life, damn!

Eine Stunde fahre ich mit strammem Tempo, bis meine Beine um Gnade winseln. Ich nehme die Treppen zu meiner Wohnung mit Leichtigkeit und freue mich wie ein Kullerkeks, weil gerade so viele Glückshormone in mir toben…

Leben ist wie Radfahren. Das verlernste nie mehr, kannste glauben.
 

Ja man kann sagen, fast überall, wo es Glück gibt, gibt es Freude am Unsinn.

Friedrich Wilhelm Nietzsche

 

 

Wider den Seelchenmief

Irgendwie hat mein Seelchen ein Problem mit freien Tagen. Wieder falle ich unkontrolliert in ein tiefes Etwas, kaum dass ich aus dem normalen Trott herauskomme. Dabei habe ich mich so gefreut. Vielleicht hilft es, nach draußen zu gehen, heute hat endlich das Wetter mitgespielt. Was soll ich sagen, Auspowern und Sonne tanken haben zwar gut getan, aber deren Wirkung ist bereits verpufft, als ich wieder Zuhause bin.

Ich versuche es mit Photos…

yellow

tulip

cherry blossoms

apple tree

daisy

Der Gedanke an Familienfestivitäten gruselt mich gerade ganz massiv. Bloß gut, dass damit jetzt erst einmal wieder Schluss ist. Familienfeste ohne Familie sind irgendwie merkwürdig, das muss man nicht lieben. Oder?

Ich bin so unruhig und nervös, so traurig und zugleich wütend, es möge bitte sofort aufhören, es kostet so viel Kraft.

 

Ohne Vorfahren, ohne Ehe, ohne Nachkommen, mit wilder Vorfahrens-, Ehe- und Nachkommenslust. Alle reichen mir die Hand: Vorfahren, Ehe und Nachkommen, aber zu fern für mich. Für alle gibt es künstlichen, jämmerlichen Ersatz: für Vorfahren, Ehe und Nachkommen. In Krämpfen schafft man ihn und geht, wenn man nicht schon an den Krämpfen zugrunde gegangen ist, an der Trostlosigkeit des Ersatzes zugrunde.

Franz Kafka

 

 

Auf den letzten Metern

Jetzt, kurz bevor ich in den Osterurlaub starte, spüre ich doch überraschend heftig, wie anstrengend die letzten anderthalb Monate waren. Ich bin mental wirklich ausgesprochen gut drauf, Lethargie und Melancholie befinden sich gerade auf Weltreise, aber ich spüre enorm, wie sehr ich ein paar freie Tage brauche.

Das Handkusshaus schreit ganz laut nach mir und ich habe versprochen, am nächsten Brückentag werde ich ihm endlich wieder einen Besuch abstatten. Meine Lieblingskollegin kam gestern spontan in mein Büro geschneit und ich habe unsere lange Umärmelung so unsagbar genossen, das kann sich niemand vorstellen. So gesehen könnte ich einen eigenen Umärmelungsmitarbeiter einstellen, einen, der mich, wann immer ich es brauche, umärmelt und an sein Herz drückt.

Heute durfte ich einen Part der Krankheitsvertretung an eine neue Krankheitsvertretung abtreten. Schönes Getrete, was? Ich bin erleichtert, mir nimmt die Abwesenheit gewisser Aufgaben ordentlich Druck von den Schultern, auch wenn ich für die nächsten beiden Abrechnungen weiterhin verantwortlich zeichne. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es eine Weile braucht, bis man die Zusammenhänge erkennt und Durchblick gewinnt. Dass ich mittlerweile so fix mit der Software umgehen kann, verdanke ich nur der steten Arbeit mit ihr, aber auch meinem schnellen Verstand und der Tatsache, dass unser IT-Mensch direkt am Nebentisch herrscht. Ich sage nur: Kurzer Dienstweg und so.

Der Einkauf zum Feierabend heute war … anstrengend. Zu viele Menschen um mich herum, noch mehr Müdigkeit in mir drin. Da hilft wohl nur absolute Konzentration auf den Einkaufszettel und ab an die Kasse. Draußen musste ich erst einmal tief durchatmen. Einkaufen vor Feiertagen ist immer wieder blödbommelig. Pfff.

Plötzlich tauchte da dieser Termin auf, den ich vor ein paar Tagen noch pissgelb in meinem Kalender markiert habe. Zwischenzeitlich muss sich ein schwarzes Terminloch aufgetan haben, denn als ich nach dem Einkauf an dieses Quartals-Date erinnert wurde, war mir, als hörte ich zum ersten Mal davon. Müde habe ich mich zum Blutspenden geschleppt, der Labormensch hat mich massiv angeflirtet – klimper, klimper – es hat ihm aber gar nichts genutzt, mein Herz klopft momentan in anderen Sphären. Die Müdigkeit blieb, auch als ich nach der Spende einen Kaffee trank.

Ich freue mich wie wahnsinnig auf den Urlaub, ich habe ihn mir verdient und werde jeden einzelnen Tag genießen. Ich beginne morgen damit, auch wenn ich noch arbeiten muss. Wir haben uns zu einem Osterfrühstück im kleinen Kreis verabredet. Damit startet dieser Tag sicher sehr angenehm und wenn ich meinen Schreibtisch hoffentlich leergearbeitet habe, starte ich gegen 15 Uhr in den Urlaub. Quiekinger und so…

 

Tage, wenn sie scheinbar uns entgleiten,
gleiten leise doch in uns hinein,
aber wir verwandeln alle Zeiten;
denn wir sehnen uns zu sein ….

Rainer Maria Rilke

 

 

Sonntagsritual

In so einem gewöhnlichen Sonntag kann man einige Rituale unterbringen. Bei mir werden es mit den Jahren immer mehr, habe ich heute festgestellt und so spontan ich einerseits bin, so mag ich selbst geschaffene Rituale auf der anderen Seite.

Ein Sonntagsritual in diesem Haus ist immer die heldenhafte Bezwingung des Bügelkorbes. Nach dem Frühstück und zwei Milchkaffetschkos werfe ich mich in die Schlacht, begleitet von meinen beiden Lieblingsradioheldenunterstützern. Ich baue das Bügelbrett so auf, dass ich nebenbei immer ein bisschen in den Sonntagvormittaghimmel klimpern kann und der akustischen Beihilfe sei Dank, ist der Korb im Nu leer.

Nachdem ich vor einigen Wochen den kinderfreien Sonntagnachmittag eingeführt habe, wurde ein weiteres Sonntagsritual aus der Taufe gehoben. Es nennt sich kurz und knapp ‘Bezwing deinen inneren Schweinehund und beweg deinen Arsch!’ und erfreut sich mittlerweile größter Beliebtheit bei allen Teilnehmern. Also mir. Heute ist bekanntlich Sonntag und nachdem mein Kind das Haus verlassen hatte, habe ich nicht viel mehr als mich und mein Fahrrad geschnappt und bin 15 Kilometer durch die Botanik gekachelt.

Accessoires

Da oben im Bild sehen Sie meine uralten Fahrrad-Handschuhe, ich habe sie während meiner Münchner Zeit gekauft, sie haben sicher 20 Jahre auf dem Buckel, da ihnen aber sonst nichts fehlt, befinden sie sich nach wie vor in regem Gebrauch. Wer dieses Accessoires für überflüssig erachtet, dem darf ich sagen, dass die Polsterung in den Handinnenflächen bei mir durchaus Sinn macht. Der konstante Druck auf die Handinnenflächen führt bei Nichtbenutzung der Handschuhe irgendwann zu einem Missempfinden in beiden Unterarmen.

Ich habe vor Kurzem eine Strecke für mich entdeckt, die alles andere als bequem ist und mich ordentlich fordert. Einmal in der Woche gebe ich mir also folgendes Programm… Ich ziehe bequeme Sportklamotten an, schütze vor allem meinen Hals, kleine Schwachstelle, die unter besonderem Schutz steht. Was ich nicht mitnehme: Mobiltelefon, Kamera (auch wenn ich diverse Augenschmeichler passiere), Handtaschen groß wie schwarze Löcher, Schmuck und anderen Ballast. Bei mir habe ich lediglich: den Schlüssel, ein Taschentuch, meine Klamotten, mich und das Fahrrad. Wichtig: Nicht stehenbleiben, nicht absteigen, nicht schlappmachen!

Und so fahre ich, irgendwann stellt sich der Tunnelblick ein. Meine Beine finden einen Rhythmus, der Atem passt sich an und alles wirkt wie ein Gesamtkunstwerk – monotone Bewegung und Sound wie aus dem Technolabor. Ich bin ein Borderliner, ich gehe an meine Grenzen. Der Sauerstoff brennt wie Feuer in meiner Lunge, als ich ich mich mit Gegenwind einen laaaanggezogenen Anstieg hinaufarbeite. Nicht anhalten, nicht absteigen. Beweg deinen Arsch, verdammt nochmal! Oben auf dem Berg breitet sich das Adrenalin in mir aus, die Mühen haben sich einmal mehr gelohnt. Aber es gilt auch hier: nicht anhalten, nicht absteigen!

Meine Form wird immer besser und mein Fahrrad mir irgendwie zu “klein”. Ich denke darüber nach, in absehbarer Zeit ein neues zu erwerben, eins mit höherem Quälfaktor. Hehe.

 

Von Natur aus sind die Menschen fast gleich; erst die Gewohnheiten entfernen sie voneinander.

Konfuzius

 

 

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